„Jawoll, das war’s. Wirklich gut Leute.“ Frank fummelte seine Stöpsel aus den Ohren, nahm die Gitarre von der Schulter und stellte sie in den Ständer am Rand der Bühne. Dann lief er zum Mischpult und kappte die Stromzufuhr für Boxen, Mikros und Instrumente.

„Pass auf dein Kabel auf, stolpre bloß nicht drüber!“, mahnte Georg von hinter seinem aufgetürmten Schlagzeug und wirbelte seine Sticks lässig durch die Luft.

„Schon klar. Aber der Auftritt heute Abend wird echt erste Sahne.“ Frank grinste wie ein Fuchs und blickte ein weiteres Mal von der Bühne aus in die kleine Halle, wo später am Tag ihre jubelnden Fans dicht gedrängt stehen würden.

„Das sagst du doch jedes Mal. Und wenn du dich richtig konzentrieren würdest, könnte deine Aussage sogar stimmen.“

„Ach, Gelaber, Sam. Das wird so genial heute! Freut sich denn keiner auf den Auftritt? Georg, Dariusz? Kora?“

„Natürlich“, antwortete Georg und legte seine Stöcke beiseite, „aber ein bisschen Disziplin wäre sicher angebracht. Und du möchtest doch nicht als der Clown der Band dastehen?“

„Hey, mal langsam. Du hast hoffentlich nicht vergessen, vom wem diese fette Anlage hier stammt? Ohne die könnten wir nämlich überhaupt nicht auftreten.“

„Das wissen wir“, schaltete Dariusz sich ein, nachdem er sein Cello vorsichtig seitlich auf den Boden gelegt hatte. „Wir sind deinem Vater doch auch dankbar, dass er uns die Boxen und den Rest zur Verfügung stellt. Doch wir sollten jetzt auf keinen Fall, bloß weil wir endlich kleine Auftritte spielen dürfen und die Leute über uns reden, irgendwelchen Blödsinn machen, verstehst du? Wir haben es bis hierher geschafft, gemeinsam, doch wenn wir nicht aufpassen, können wir auch leicht wieder in der Versenkung verschwinden. Dazu braucht es nicht viel, und miese Konzerte gehören dazu.“

Frank zog eine Schnute, doch er nickte auf Dariusz‘ Worte hin. Er war ja nicht blöd, er freute sich einfach nur darüber, wie sich die Band entwickelt hatte.

„Sorry Leute, natürlich nehm ich die Sache ernst, wirklich ernst, sonst wäre ich ja nicht hier. Wir sollten später außerdem unbedingt noch einmal die Instrumente stimmen, die hohe Saite von deinem Cello war ein wenig zu tief, Dariusz.“

„Ich hab’s auch bemerkt, aber es ist noch relativ kühl hier drin. Neu zu stimmen lohnt sich erst ganz kurz vor dem Auftritt.“

„Weiß ich doch, weiß ich doch. Also, was ist jetzt? Noch ein kühles Bier und eine Runde ausspannen, bevor es losgeht? Ich sag auch noch dem Barmann, dass wir soweit fertig wären.“

Georg quetschte sich hinter seinem Schlagzeug hervor. „Klingt gut, bin dabei.“

„Ich komm auch mit.“ Sam prüfte ein letztes Mal, dass sein Bass auch sicher stand, erst dann ließ er ihn los. Dariusz drehte sich noch einmal zum vorderen Ende der Bühne um, dort, wo der große schwarze Flügel stand.

„Wir sind dann hinten, Kora. Wenn du auch noch kommen willst… Und nimm ihnen die kleine Kabbelei bitte nicht übel. Du kennst doch Frank. Also dann!“

Kora blickte Dariusz hinterher, wie er als letzter von der Bühne verschwand, und seufzte. Die Probe war in der Tat gut verlaufen, wenn auch nicht perfekt. Er schaute auf die weißen und schwarzen Tasten unter seinen Händen und das Mikrofon auf Höhe seines Mundes. Der Auftritt würde gut werden, damit hatte Frank Recht, doch er musste auch gut werden. Wie sonst konnten sie wirklich erfolgreich sein? Eine Band stieg und fiel mit ihrer Leistung, wie im Sport, in der Wirtschaft, wie überall. Sie waren noch lange nicht am Gipfel angekommen, und er wusste genau, was er tun musste, um dies zu erreichen.

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