Die junge Frau kam langsam zu sich. Sie lag auf etwas Weichem, die Füße an den Knöcheln gefesselt, die Hände hinter dem Rücken zusammengebunden. Es war nicht kalt, trotzdem lief ihr ein Schauer über den ganzen Körper. Die betäubende Wirkung der Substanz, die ihr verabreicht worden war, ließ langsam nach und mehr und mehr wurden die Schmerzen, die ihr nicht nur die beißenden Fesseln zufügten, offenbar. Auch ihr Rücken schmerzte, ihr Unterleib, und sie glaubte, noch immer die groben Bewegungen und die harten Stöße des Mannes, der sich zum wiederholten Male an ihr vergangen hatte, zwischen ihren Schenkeln zu spüren. Tränen sammelten sich in ihren Augenwinkeln. Was hatte sie nur getan, dass sie hier gelandet war? Was hatte sie diesem Mann nur getan?

Sie war nun seit ein paar Tagen in dem fensterlosen, kleinen Schlafzimmer eingesperrt. Wie viel Zeit verstrichen war konnte sie nur dadurch beurteilen, dass er ihr Frühstück und Abendessen brachte. Bei diesen Gelegenheiten unterhielt er sich auch mit ihr, lobte die Proportionen ihres Gesichts, machte Witze. Und er missbrauchte sie. Zu Anfang war er noch zärtlich gewesen, was es freilich nicht besser machte. Sie hatte sich gewehrt, doch die Fesseln um ihre Handgelenke, sein Gewicht und das Mittel, das er vor ihren Augen in ihr Getränk mischte, hatten ihr Aufbegehren gleich im Keim erstickt. Sie wusste nicht, was es war, was er ihr verabreichte, doch es vernebelte einerseits ihre Wahrnehmung, andererseits hatte es eine aphrodisische Wirkung. Sie ekelte sich davor, wie ihr Körper darauf reagierte. Dann hatte sie seine Aktionen über sich ergehen lassen, in der Hoffnung, dass es schnell vorbei wäre. Hätte jedes Mal gerne noch einen Schluck mehr der Drogen zu sich genommen, um mit den Gedanken gänzlich aus der Wirklichkeit abtauchen zu können. Und dann, heute, war er heftig geworden. Er war über sie hergefallen wie ein Tier, ohne auf ihre Schmerzensschreie und Tränen, die ihr unweigerlich in die Augen schossen, zu achten. Sie hatte gedacht, sie müsste sterben, wollte es in jenem Moment auch. Doch nun lag sie immer noch hier in diesem Zimmer und fürchtete sich davor, dass er zurückkehrte.

Vor allem wusste sie, dass er sie nicht gehen lassen würde. Denn sie kannte sein Gesicht, sah es vor sich, sobald sie die Augen schloss, jedes noch so kleine Detail konnte sie beschreiben. Nicht mehr lange, und er würde sie töten.

Abgründig

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