Der Typ war nicht allein.

Sie hörte eine gedämpfte Unterhaltung, unterbrochen ab und zu von Schweigen. Dann wieder ein Lachen und eine leise Erwiderung.

Sie selbst blieb still. Konnte gar nicht anders, als zu lauschen. Tagein, tagaus. Wie lange schon? Wie viele Tage war sie schon hier? Und wie lange würde sie noch hier sein?

Sie dachte an Tom. Was mochte er wohl tun? Ob er sich schon wunderte, ob er gar schon irgendetwas unternommen hatte, um sie zu suchen? Oder war ihm am Ende noch gar nicht aufgefallen, dass sie verschwunden war? Nein, das war unmöglich. Er hatte bestimmt …

Tränen sammelten sich in ihren Augenwinkeln und sie blinzelte sie fort.

Tom hatte ihr ein Eis gekauft, zwei Kugeln, Erdbeere und Stracciatella. Der Abend war warm gewesen, eigentlich noch keine Jahreszeit für Eis, aber das war Tom egal gewesen. Er hatte ihr einen flüchtigen Kuss auf die Lippen gehaucht, die bestimmt nach Erdbeere und Stracciatella geschmeckt hatten. Sie versuchte, sich die Süße der Erdbeeren vorzustellen, das herbe Aroma der Zartbitterschokolade, doch der metallische Geschmack auf ihrer Zunge ließ sich nicht vertreiben, nicht einmal in Gedanken.

Sie wollte Tom nie wieder sehen, sie konnte ihn nie wieder sehen. Nicht nach dem, was in den vergangenen Tagen mit ihr geschehen war.

Dabei hatte sie ihn einfach nur mit dem Bild überraschen wollen.

Abgründig

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3 Gedanken zu “Abgründig 11

  1. Ja, das ist psychologisch richtig und belegt, dass die Opfer DANACH manchmal mit ihren Liebsten, auch mit der Familie, den Eltern und Geschwistern brechen, weil sie je nachdem, was sie erlebt haben, sich beschmutzt und unwürdig fühlen und natürlich schuldig.

    Selbst Natascha Kampusch gab sich in dem Buch „3096 Tage“ die Mitschuld an ihrer Entführung. Ich hab mir das Buch gekauft, aber nur angelesen, den Film kann ich mir nicht ansehen, weil mir das alles zu nah geht.

    Weiß nicht, ob meine Assoziationen überhaupt etwas mit deinem Thriller zu tun haben, aber das wird sich ja zum Ende hin klären, doch dieser Einschub „Abgründig 11“ ist eine gute Idee, um nochmals Spannung zu erzeugen, indem von dem anderen Erzählstrang abgelenkt wird, bei dem man eigentlich wissen wiil, wie es weitergeht und Rückgriff auf Früheres stattfindet, das auch noch Ungeklärt dem Leser im Hinterkopf verbleibt.

    Dein Roman bleibt somti ein Puzzle, das sich wohl erst am Ende zum Gesamtbild fügt. Er lässt viel Raum zum Spekulieren und zum Weiterdenken im Hirn des Lesers, Schreib bloß keine Zuschussverlage damit an: Dein Werk muss bei einem großen Verlag erscheinen.

    Wenn dein Werk vollständig ist, werde ich nochmals an einem Stück drüberlesen und dir sagen, was mir auffällt. Auf der anderen Seite haben die großen Verlage ja auch ihre Lektoren, die auf dich zukommen und dir helfen. Hab selbst zweimal bei Heyne in München veröffentlicht. Immerhin zahlen die gut ..

    LG PP

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  2. Es ist auch sofern interessant, dass auch die namenlose Entführte offenbar Kontakt zu Gabriel hatte. Vielleicht ist er ja doch nicht nur der „halb-beteiligte Nur-Maler Nicht-Selbst-Entführer“. Wir werden sehen.

    Gefällt 1 Person

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