Villain

Der nachfolgende Text entstand aus einer Laune heraus – das klingt jetzt blöd (wenn ihr ihn gelesen habt), aber keine Angst! – und ist nicht wirklich ausgereift. Doch weil dieser Blog michaelaschreibt heißt, fühle ich mich irgendwie dazu genötigt, mal wieder einen „richtigen“ Text zu veröffentlichen. Das ist in letzter Zeit (ein sehr dehnbarer Begriff) deutlich zu kurz geraten.


Ich bring sie alle um.

Alle.

Jeden einzelnen von ihnen.

Das Messer liegt in meiner Hand, fest und schwer.

Die Klinge blitzt im Licht der Straßenlaterne, als wollte sie mir sagen:

„Ja, tu es.“

Aber nicht nur die Klinge, einfach alles redet mir zu:

„Ja, tu es, tu es.“

Da vorne kommt jemand, ich höre Schritte.

Ich bleibe hinter einem großen Müllcontainer stehen, der nur einen schmalen Durchgang in der engen Gasse freilässt.

Mein Atem geht stoßweise, fest und schwer, genau so, wie sich das Messer in meiner Hand anfühlt.

Ich ziehe meinen Schal etwas nach oben, um die Laute zu dämpfen, und warte regungslos.

Nur meine Brust bewegt sich.

Das Messer aber ist ruhig, fest und schwer.

Ich konzentriere mich ganz auf die Schritte, die allmählich lauter werden.

„Ja, tu es.“

Ich höre sie ganz deutlich, die Stimme und die Schritte.

Näher, näher, noch näher …

Und dann sehe ich die Person wie in Zeitlupe an mir vorübergehen.

Ich bewege mich nicht und sie bemerkt mich nicht.

Ich warte, bis mir die ahnungslose Gestalt den Rücken zukehrt.

Ahnungslos, aber genau so schuldig wie alle anderen.

„Ja, tu es.“

Ich halte die Luft an, trete einen Schritt nach vorn und noch bevor die Person irgendetwas bemerkt, stoße ich zu.

Ein überraschtes Keuchen dringt an meine Ohren, doch ich konzentriere mich nur auf das Gefühl, wie das Messer sanft zwischen den Gedärmen und Knochen hindurchgleitet.

Es findet sein Ziel, denn es ist auf meiner Seite.

Mit der freien Hand schiebe ich den Schal von meinem Mund weg nach unten.

Ich beginne wieder zu atmen und lasse die angestaute Luft langsam in die Nacht entweichen.

In dem Moment, in dem die Person zu Boden sinkt, wird das Messer wie von selbst mit einem schmatzenden Geräusch aus dem Fleisch gezogen.

Ich leiste mir einen Augenblick des Wohlbehagens, das mir als warmes Kribbeln durch den Körper jagt.

„Du hast es getan.“

Ein tiefer Atemzug, genau so lange bleibe ich stehen und schwelge in dem Hochgefühl.

Dann stecke ich das Messer weg, drehe mich um und verlasse die Gasse. 

Der Mensch am Boden interessiert mich nicht.

Aber es gibt noch mehr, noch mehr Schuldige.

„Du musst es tun.“

Ich bring sie alle um.

2 Kommentare zu „Villain

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