Buchvorstellung: COLD-Serie

Die drei Bücher, die ich euch in diesem Beitrag vorstelle, sind sogenannte Light Novels von Autorin Narise Konohara und Illustratorin Nanao Saikawa. Light Novels richten sich normalerweise an junge Erwachsene, sind eher unkompliziert geschrieben („leichte“ Lektüre eben) und weisen ganzseitige Illustrationen im Mangastil auf. Der Übersetzungsaufwand ist, wie man sich vorstellen kann, höher als bei Manga, deswegen gibt es Light Novels hauptsächlich in Japan, wo sie ihren Ursprung haben, und sind außerhalb von Japan nicht sehr verbreitet. Ein paar der Romane sind auf Englisch erhältlich, auf Deutsch ist das Angebot allerdings schon sehr rar. Zur COLD-Serie existiert eine englische Übersetzung, die von Digital Manga Publishing (DMP) in den Jahren 2005 und 2010 unter dem Label Juné, das die Boys Love-/Yaoi-Schiene von DMP bedient, veröffentlicht wurde und um die es in diesem Beitrag gehen soll. Die drei Bücher erzählen eine zusammenhängende Geschichte und tragen die Titel Cold Sleep, Cold Light und Cold Fever.

Mit Cold Sleep beginnt die Trilogie mehr oder weniger typisch wie eine Boys Love-Novel. Als Leser steigen wir dort ein, wo Tohru Takahisa, einer der beiden Protagonisten, ein Krankenhaus ohne Erinnerungen an sein bisheriges Leben verlässt. Das einzige, woran er sich erinnern kann, ist der letzte Monat, den er im Krankenhaus verbracht hat. Seine einzige Bezugsperson in dieser Zeit war Fujishima, der sich ihm als Freund und Arbeitskollege aus der Zeit vor seinem Gedächtnisverlust vorgestellt hat. Der sechs Jahre ältere Fujishima nimmt Tohru bei sich auf.

COLD SLEEP Cover

Tohru kann sich zunächst nicht so recht vorstellen, wie er sich jemals mit diesem schweigsamen, distanziert wirkenden Mitbewohner hatte anfreunden können, doch so nach und nach taut das Eis zwischen den beiden etwas auf. Auch so hat Tohru wenig Schwierigkeiten, neue Freunde und sogar eine neue Arbeit zu finden, und er wird wegen seiner offenen Art von der Nachbarschaft schnell ins Herz geschlossen.

Cold Sleep hat auf mich insgesamt positiv gestimmt gewirkt. Richtige Yaoi-Fans dürften von dem Buch eher enttäuscht sein, aber es ist meiner Meinung nach schon notwendig, um die gesamte Geschichte und vor allem die Kontraste, auf die ich später noch eingehen werde, zu verstehen .

Zum Schluss des Bandes sind noch zwei kurze Episoden enthalten, die nichts mit Tohru und Fujishima zu tun haben, sondern zwei gänzlich andere Protagonisten behandeln. Nach Cold Sleep habe ich noch gedacht, dass diese Zusatzgeschichten eine nette Dreingabe der Autorin sind. Umso mehr hat es mich gefreut, dass die Geschichten, die Hauptstory um Tohru und Fujishima und die Sidestory, später doch noch zusammenlaufen.

COLD LIGHT Cover

Cold Light ist der zweite Band der Reihe und wird aus der Sicht von Fujishima erzählt (der erste und dritte Band sind aus Tohrus Sicht geschrieben). Wir erfahren etwas über Fujishimas Kindheit und wie er Tohru kennen gelernt hat. Die Themen, die hierbei angeschnitten werden, sind nicht ganz ohne: Kindesmisshandlung und sogar Pädophilie (wobei ich mir nicht ganz sicher bin, ob es sich im Fall von Cold Light tatsächlich um Pädophilie im medizinischen Sinn handelt). Die Stimmung im zweiten Band ist vor allem in der ersten Hälfte eine komplett andere als noch in Band 1, deutlich düsterer und deprimierender. In der zweiten Hälfte schafft die Autorin die Kurve zum Anschluss an Band 1, sodass im Endeffekt der letzte Eindruck bzw. die Stimmung, in der das Buch ausklingt, aber doch wieder positiv ausfällt. In Cold Light erfahren wir als Leser vor allem mehr über Fujishimas Gedanken und Gefühle, die im ersten Band doch noch eher unklar geblieben sind.

Der dritte Band, Cold Fever, ist dann einfach nur grausam. Damit meine ich nicht das Lesen an sich, sondern die Handlung. Eine solch heftige Wendung hätte ich niemals erwartet, doch es ist wohl, wie die Autorin im Nachwort schreibt, vor allem dieser dritte Band, auf den sie hingearbeitet hat und der die eigentliche Geschichte darstellt. Die Bände 1 und 2 sind mehr nur als Hinführung gedacht. Zu viel will ich nicht über Cold Fever verraten, aber das Buch ist wirklich krass.

COLD FEVER Cover

Zum Ende von Cold Fever findet dann auch in einer Zusatzgeschichte die Zusammenführung von Tohrus und Fujishimas Story mit der bis dahin völlig unabhängig laufenden, kurzen Sidestory statt, die einen einigermaßen versöhnlichen Abschluss der Trilogie darstellt.

Insgesamt kann ich sagen, dass die drei Bücher nicht so seicht sind, wie man auf den ersten Blick und vor allem unter der Prämisse, dass es sich um Light Novels handelt, vermuten könnte. Band 3 hat hierbei einen besonders nachhaltigen Eindruck bei mir hinterlassen.

Obwohl die Bücher auf Englisch sind, ist mir aufgefallen, dass sie sich deutlich unterschiedlich lesen lassen. Ein Blick auf die Übersetzer hat mir dann auch gezeigt, dass alle drei Bände von unterschiedlichen Personen vom Japanischen ins Englische übersetzt wurden. Insbesondere ist mir der Unterschied zwischen Band 1 und den anderen beiden Bänden aufgefallen, weil für mein Empfinden Band 1 eher holprig zu lesen war. Vor allem die ersten paar Seiten haben mich nur schwer in die Geschichte kommen lassen. Vielleicht war ich aber nach dem ersten Buch auch nur mehr im Englischen drin, sodass die anderen beiden dann flüssiger gingen.

COLD-Serie

Welche Erfahrungen habt ihr bisher mit Light Novels gemacht? Die Qualität ist hier meiner Meinung nach, wie eigentlich überall, recht schwankend, doch die COLD-Serie spielt definitiv im oberen Bereich mit.

Viele Grüße

Michaela

Werbeanzeigen

4 Kommentare zu „Buchvorstellung: COLD-Serie

  1. Ich habe noch keinen bedarf für Light Novels gehabt, aber hey, immerhin entdecke ich nun (halb gezwungenermaßen xD) die Yaou Welt, zählt das auch? Ich mag es ehrlich gesagt aber meistens nicht wenn der Trope „Gedächnisschwund“ ausgespielt wird, aber hier scheint es immehrin ganz gut umgesetzt zu sein, die Preise wären noch interessant gewesen ^^

    Gefällt 1 Person

    1. Die Preise … Okay, da muss ich mal gucken, zu welchen Preisen ich die Bücher gekauft habe. Weil es englische Bücher sind, hängt das unter anderem auch am Umrechnungskurs von Dollar in Euro. Den ersten Band gab’s gebraucht auf Amazon für etwas über 10 €, zu den anderen beiden Bänden kann ich auf die Schnelle nichts finden, sorry.

      Gefällt mir

  2. Bei Juné sind richtig viele Light Novels erschienen, die mich bis zu einem gewissen Grad interessieren, aber ich glaube man findet kaum noch welche zu einem vernünftigen Preis? Da musst du ja wirklich Glück gehabt haben.

    Gefällt 1 Person

    1. Das stimmt, ich hatte Glück^^ Und ja, da gibt’s viele Light Novels, die man aber nicht mehr regulär kaufen kann und die auch so kaum irgendwo angeboten werden. Das ist schade. Ich würde mir wünschen, dass sie dann zumindest als Ebook erscheinen würden …

      Gefällt 1 Person

Kommentar verfassen

Bitte logge dich mit einer dieser Methoden ein, um deinen Kommentar zu veröffentlichen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.