Gestaltwandler im Vogelkäfig – „SHAPE SHIFTER“ von SHAPE SHIFTER

Gegen Ende ihres Bestehens hat die Band SHAPE SHIFTER ihr erstes Fulltime-Album, das der Einfachheit halber den Bandnamen trägt, herausgebracht. Vielleicht als eine Art Abschiedsgeschenk an ihre Fans – wer weiß. Ich muss sagen, so richtig habe ich von SHAPE SHIFTERS Aktivitäten während ihres Bestehens nichts mitbekommen, was ich sehr schade finde, weil der Sänger der Gruppe niemand anderes war als Z bzw. Seth, der zuvor in der Band Art Cube gesungen hat und immer noch bei Moi dix Mois als Sänger aufgeführt wird. Dass ich Art Cube gerne mag, ist kein Geheimnis. Nun habe ich also mit einigermaßen großen Erwartungen ins Album SHAPE SHIFTER reingehört, von dem ich euch einige Titel vorstellen werde. Ganz grob tummelt sich die Band im Genre Rock mit Einflüssen von Elektro, Funk und Goth.

Um auch die anderen Bandmitglieder nicht unerwähnt zu lassen, hier noch eine kurze Vorstellung der Gruppe, bevor es dann zur Musik geht. SHAPE SHIFTER hatten ihren ersten Auftritt im September 2015. Neben Z am Gesang sind in der Gruppe noch 五十嵐 友華 [Tomoka Igarashi] und 五十嵐 拓也 [Takuya Igarashi] an der Gitarre, 安岐 真珠理 [Majuri Aki] am Schlagzeug und もきち さいとう [Mokichi Saito] am Support-Bass, nachdem der ursprüngliche Bassist 北條迅 [Jin Houjo] die Gruppe 2016 verlassen hat. Im September 2017, also nach zwei Jahren, hat sich die Gruppe wieder aufgelöst. Das Album SHAPE SHIFTER ist im August 2017 erschienen.

Mit 時ノ中 [toki no naka] („In der Zeit“/“Manchmal“) beginnt das Album schon recht vielversprechend. Das flotte Gitarrenriff und der melodische Refrain bleiben definitiv im Ohr hängen. Dass es das Lied trotzdem nicht ganz auf die obersten Plätze bei mir geschafft hat, liegt einfach daran, weil es noch ein paar weitere Lieder gibt, die mir noch besser gefallen. Eines davon folgt direkt auf 時ノ中 [toki no naka]. Die Orgel zu Beginn von 感情雨 [kanjou ame] („Emotionaler Regen“) erinnert ein bisschen an Art Cube, aber nur ein bisschen. Sie fügt sich nämlich ziemlich gut ins Spiel der Gitarren ein, sodass ein flottes Rocklied entsteht mit einem überaus mitsingbaren Refrain. Das E-Gitarren-Solo, bei dem die Orgel ebenfalls einsetzt, ist zwar kurz, aber klasse. Die kleineren Klavierpassagen unterstreichen den melodischen Charakter des Stückes.

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闇裂く羽 [yami saku hane] („Dunkel gespaltene Federn“) beginnt etwas härter und erinnert mich noch stärker als kanjou ame (zumindest dessen Beginn) an Art Cube. Auch hier ist der Eindruck mit Einsetzen des Gesangs wieder verflogen. Überhaupt wirkt Zs Gesang bei SHAPE SHIFTER irgendwie klarer also zu Art Cube-Zeiten. Bei yami saku hane gefällt mir die Melodie des Refrains wieder außerordentlich gut. Das Stück beinhaltet eine große Portion Dramatik, die sich im Refrain super auflöst. In einem ruhigen Zwischenteil mit Klavier- und Streicherbegleitung tritt die Wärme in Zs Stimme zutage. Hier ist ein Live-Clip zu 闇裂く羽 [yami saku hane], d. h. ein Live-Video mit Ton vom Band.

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繰り返す優しさ [kurikaesu shisa] („Wiederholte Freundlichkeit“) flacht nach den beiden vorangehenden Stücken etwas ab (was meiner Meinung nach aber wirklich an der Reihenfolge der Titel liegt), hat jedoch eine schöne E-Gitarren-Stimme. 盲目の僕 [moumoku no boku] („Blinder Diener“/“Blindes Ich“) setzt verstärkt auf Elektro-Elemente und hat einen dezent düsteren Anstrich als die bisherigen Lieder. Das Auffälligste an 枯れた瞳 [kareta hitomi] („Verwelkte Augen“) ist wohl das reduzierte Intro mit Klavier, Computerklängen, vereinzelten E-Gitarren-Einwürfen und Zs Gesang. Insgesamt ist es das Lied mit der dunkelsten Atmosphäre auf SHAPE SHIFTER. Der Refrain ist in einem getragenen 6/8-Takt, was ihm vor allem auch mit der Nebenmelodie auf Klavier, die hauptsächlich aus Läufen besteht, den Anschein eines dunklen, dahintreibenden Flusses verleiht. Zur Mitte des Stücks setzt ein Akkordeon ein und lässt bei mir ein Bild von Gauklern entstehen. Wenn zum Schluss der Refrain in einer höheren Tonlage wiederholt wird, ist das ein ausreichend dramatischer Abschluss dieses Liedes, bei dem auch die E-Gitarre nochmal richtig aufspielen darf.

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永遠の雫 [eien no shizuku] („Tropfen der Ewigkeit“) ist durchgängig geprägt von schweren E-Gitarren, die vor allem auch im Zwischenteil gut gefallen. マスカレード [masquerade] („Maskerade“) beginnt mit elektronischen Dance-Klängen, zu denen sich unter anderem eine Klavierstimme gesellt. In der zweiten Strophe und auch an späteren Stellen kommt sogar eine eher funkige Gitarre dazu und der Genremix ist perfekt. Instrumententechnisch ist マスカレード  [masquerade] wirklich interessant, da ist es ein bisschen schade, dass der Refrain, der zwar nicht schlecht ist, nicht so besonders ist. Auch 渇きの扉 [kawaki no tobira] („Tür des Durstes“) schlägt einigermaßen ungewöhnliche Töne an, erinnert mich zu Beginn ein wenig an die Band LIPHLICH und deren „Entertainment-Rock“. Wir hören wieder eine Art Orgel, dazu kommen Klavier und Blechblasinstrumente, die einen flotten Rhythmus angeben. Der Refrain ist wieder nicht herausragend, doch aufgrund seiner ungewöhnlichen Instrumentierung in den Zwischenpassagen und des wieder einmal gelungenen E-Gitarren-Solos bleibt das Stück doch im Ohr.

Bei 鳥籠 [torikago] („Vogelkäfig“) wechseln sich schnelle und langsame Passagen munter ab. Insgesamt bekommen wir hier ein solides Rocklied mit einprägsamer Melodie im Refrain. Ähnliches gilt auch für 哀しみの記憶 [kanashimi no kioku] („Erinnerungen an Traurigkeit“), bei dem der Elektroanteil wieder etwas größer als beim vorigen Lied ist. Mit 憧憬 [doukei] („Sehnsucht“) schließt das Album mit einem wiederum etwas düsterer angehauchten Titel ab. Auch dieser gefällt mir gut und ist für meinen Geschmack mit unter vier Minuten viel zu kurz. Es kommt hier noch einmal alles zusammen, was das Album bisher so geboten hat: Starke Gitarren, flotte Elektroklänge und sogar eine Flöte in einem ruhigen, wenn auch kurzen, Zwischenteil. Die Melodie im Refrain ist eher ungewöhnlich, aber prägnant. Zs Gesang finde ich hier wieder wunderbar.

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憧憬 [doukei] wurde offenbar als erste Single von SHAPE SHIFTER zunächst unter einem anderen Namen veröffentlich: 雷鳴-RAIMEI- („Donner“). Hier ist noch ein Live-Video dieses Lieds von 2016. Ganz zu Anfang war wohl das Mikro aus, deswegen kommt zunächst kein Gesang ;)

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Insgesamt ist der Klang von SHAPE SHIFTER weitaus weniger gothiclastig als der von Art Cube, wobei mich das Album stellenweise, besonders bei den düstereren Liedern, schon an Art Cube erinnert – allerdings weitaus weniger, als ich es erwartet hätte. SHAPE SHIFTERS Musik ist doch deutlich rockiger, irgendwie geradliniger – vielleicht auch eine Spur gefälliger. Mir gefällt ihre Musik und ich bedaure, dass es die Band schon nicht mehr gibt. Gleichzeitig bin ich aber auch gespannt, ob wir von Z bald wieder etwas hören werden.

Viele Grüße

Michaela

SHAPE SHIFTER Bandmitglieder und CD
SHAPE SHIFTER Bandmitglieder und CD
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