Phantom – Kapitel 2.4

„Wir haben nichts.“ Fred lehnte sich auf seinem Bürostuhl zurück. „Keine Fingerabdrücke, keine Hinweise, keinen Verdächtigen.“

„Das kann es nicht geben.“ Karl blätterte noch einmal alle Unterlagen durch, die sie im Fall des ermordeten Pärchens zusammen gesammelt hatten. Sie hatten den Tatort gründlichst untersuchen lassen, Nachbarn befragt, im privaten und beruflichen Umfeld des Mädchens und des Jungen nachgeforscht. Mit der flachen Hand schlug er auf den Tisch und stieß ein leises Knurren aus. „Und jetzt?“

„Feierabend, würde ich sagen.“ Fred erhob sich. „Morgen ist große Besprechung. Dabei wird schon was rumkommen.“

„Ich bleib noch ein wenig …“

„Nichts da. Wir gehen jetzt noch gemeinsam ein Bierchen trinken und das war’s dann für heute.“

Karl blickte seinen Kollegen skeptisch an.

„Jetzt komm schon, beweg deinen Hintern aus dem Büro.“ Fred schnappte sich seine Jacke und blieb demonstrativ neben Karl stehen. Fred kannte seinen Kollegen mittlerweile ziemlich gut und wusste, wenn er jetzt nicht hartnäckig blieb, würde Karl die Nacht noch in dem stickigen Kabuff zubringen, das sie als Büro nutzten. Und morgen bei der Besprechung wie ein lebender Toter erscheinen. Er fand, dass es momentan genug Leichen gab.

„Na, wenn du meinst.“

Fred war froh, dass Karl sich ihm anschloss. Gemeinsam verließen sie das Präsidium und kehrten in der Kneipe ein, die ihrem Arbeitsplatz am nächsten lag. Es war ein gemütliches Lokal, dessen Kundschaft wohl mindestens zur Hälfte aus Präsidiumsmitarbeitern bestand.

„Und wie geht’s deiner Tochter so?“, erkundigte sich Karl, nachdem die Bedienung ihre Bestellungen gebracht hatte.

„Blendend. Du weißt schon, Teenager halt.“ Fred grinste. „Momentan ist alles super. Aber frag mich nicht, wie es in ein paar Wochen aussieht.“

„Haha.“ Karl lachte und ließ sein Glas auf dem Tisch kreisen. „Hört sich spaßig an.“

„Du kannst dir gar nicht vorstellen, wie. Aber sag mal, hast du was von Simone gehört?“

Karl schüttelte den Kopf. Simone war seine Exfrau. Sie war irgendwann einfach abgehauen, ohne Erklärung. Wobei Fred ja den Verdacht hatte, dass es wegen Karls Arbeit gewesen war. Aber das war nur Spekulation und er war sich sicher, dass Karl diese Idee ebenfalls schon gekommen war.

„Na ja … Weißt du, womit mir Lisa momentan in den Ohren liegt? Sie will ausgehen, abends, mit Freunden.“

„Und? Sie ist doch keine zwölf mehr.“

„Das schon, aber … Du weißt doch, was nachts so los ist. Die übelsten Typen laufen da durch die Gegend.“

„Na, jetzt übertreibst du aber.“

„Sicher? Was ist mit dem Mädchen, das wir tot in ihrer Wohnung gefunden haben. Noch dazu mit einem Kerl?“ Fred hätte sich ohrfeigen können. Jetzt brachte ausgerechnet er Karl dazu, wieder an den Fall zu denken. Nicht sehr geschickt von ihm.

„Lisa ist doch ein verantwortungsbewusstes Kind. Wenn sie mit ihren Freunden unterwegs ist, kann doch nichts passieren. Außerdem sind die Kids bestimmt froh, wenn sie jemand fährt.“

Phantom

Kommentar verfassen

Bitte logge dich mit einer dieser Methoden ein, um deinen Kommentar zu veröffentlichen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.