Mangavorstellung: Der Küchenprinz

Der Einzelband Der Küchenprinz von Junko stellt den Abschluss der Catch ’em all-Reihe von KAZÉ (→ Link zur Verlagsseite) dar, einer losen Sammlung von Boys Love-Mangas, die 2017 erschienen und alle einem bestimmten Thema gewidmet sind. Der Küchenprinz steht unter dem Motto Der Leckere und enthält, wie alle anderen Bände der Reihe auch, in der Erstauflage ein auffaltbares Poster. Ob dieser Abschlussband nun auch ein krönender war, erfahrt ihr, wenn ihr weiterlest.

Zur Handlung will ich gar nicht viele Worte verlieren. Kei Sakai will unbedingt Koch werden, um das Andenken an seinen verstorbenen Großvater aufrecht zu halten und wie dieser später einmal ein Lokal zu führen. Dazu besucht er eine bekannte Kochschule, die allerdings ziemlich weit weg von seinem Zuhause ist – täglich drei Stunden Fahrt, einfach. Eine eigene Wohnung kann er sich nicht leisten. Ein Ausweg scheint gekommen, als er über einen Mitschüler, genauer über den Freund eines Freundes dieses Mitschülers (wie das halt so ist), ein WG-Zimmer zu einem unschlagbar günstigen Preis angeboten bekommt. Die Besichtigung offenbart zunächst auch keine Mängel und so nimmt Kei das Angebot an. Er wohnt fortan zusammen mit Tsubasa Sogawa, einem Jurastudenten im zweiten Jahr, Yasuhisa Honda, einem professionellen Pachinko-Spieler (Glücksspieler), dem das Haus gehört, und Shohei Nioka, einem angehenden Schauspieler, zusammen und muss schnell feststellen, dass das vermeintlich günstige Angebot doch den ein oder anderen Haken hat.

Das Setting scheint auf den ersten Blick nicht sonderlich außergewöhnlich, doch im BL-Bereich sind mir bislang noch nicht viele WGs (mit mehr als zwei Mitbewohnern) über den Weg gelaufen. Die Entwicklung der Story ist auch nicht sonderlich spektakulär, aber irgendwie … mochte ich den Manga. Die Geschichte hat ihre echt witzigen Momente, zum Beispiel wenn alle vier WG-Bewohner bei einem Aushilfsjob von Shohei Modell stehen – bekleidet nur mit Unterhosen für eine Horde weiblicher Yaoi-Fans. Die Mangaka nimmt hier ihre eigenen Leser aufs Korn und wohl auch ein bisschen sich selbst. Neben den witzigen Momenten gibt es aber auch ein paar richtig intensive, emotionsgeladene Augenblicke, die erfrischend unkitschig sind.

Keiner der vier WG-Bewohner kommt in dem Manga zu kurz, wobei das Hauptaugenmerk der Handlung in erster Linie auf Kei und Shohei liegt, deren Beziehung sich in einem angenehmen Tempo entwickelt. In einem Bonuskapitel gibt es auch ein paar Hintergrundinfos zu Yasuhisa und Tsubasa, die sich schon deutlich länger kennen, als die WG existiert. Über die beiden könnte ich mir sogar eine eigene Geschichte vorstellen, einfach, weil ich vor allem Yasuhisa sehr gern mochte. Er ist irgendwie ein verrückter Vogel und – entgegen seines Aussehens – offenbar (noch?) der einzige Hetero in der Gruppe. Bei ihm hat sich die Mangaka frisurentechnisch auch richtig viel Mühe gegeben. (Yasuhisa ist der Blonde mit den langen Haaren auf dem Cover ganz rechts.) Die anderen drei sehen relativ normal aus, würde ich sagen, sind aber trotzdem gut voneinander zu unterscheiden. Vor allem die Augen sind bei jedem anders gezeichnet (so hat Yasuhisa beispielsweise den vollen Schlafzimmerblick und Kei kleine, schwarze Augen) und ermöglichen so auch eine Zuordnung der Sprechblasen zu den Sprechern, wenn deren Köpfe als sehr vereinfachte Skizzen direkt in den Sprechblasen dargestellt sind. Angenehm beim Lesen war auch, dass alle vier ihrem Alter entsprechend gezeichnet sind. Insgesamt finde ich Junkos Zeichenstil in Ordnung, auch wenn er nicht zu meinen liebsten zählt. Aber das ist Geschmackssache. Es sind nicht in allen Panels richtig ausgearbeitete Hintergründe vorhanden, aber das ist bei BL-Mangas ja normal. Dort wo allerdings Hintergründe sein sollten, sind auch welche gezeichnet.

Der Küchenprinz - Junko
Der Küchenprinz – Poster

Der Schluss der Geschichte kam etwas plötzlich, wirkte aber nicht so, als wäre er noch schnell fertig gezeichnet worden, um noch eine Deadline einzuhalten. Ich hätte gern erfahren, was aus Keis Teilnahme am Kochwettbewerb wurde, und auch, ob und wie sich Tsubasa und Yasuhisa vielleicht doch noch näherkommen; so bleibt jedenfalls noch etwas für die eigene Fantasie übrig. Und ein teilweise offenes Ende mag ich lieber, als zu viel Handlung in zu kurzer Zeit oder eine unnötig in die Länge gezogene Geschichte, die eigentlich schon vor drei Kapiteln hätte beendet werden müssen.

Also, so genau kann ich gar nicht sagen, woran es liegt – vermutlich sind es viele kleine Faktoren, die dazu führen – aber Der Küchenprinz hat mir von allen Bänden der Catch ’em all-Reihe mit am besten gefallen. Er ist nicht zu überdreht, trotzdem witzig, aber auch gefühlvoll und ein wenig putzig. Aber nur ein wenig. Bei dem Cover und dem Titel (die mir beide nicht so zusagen) habe ich definitiv mit etwas anderem gerechnet und bin positiv überrascht worden. Der Abschluss der Catch ’em all-Reihe ist also durchaus gelungen.

Der Küchenprinz - Junko
Der Küchenprinz

Falls ihr noch einmal nachlesen möchtet, was ich zu den vorigen fünf Bänden geschrieben habe, könnt ihr das hier tun:

Nicht vergessen darf ich, KAZÉ und AV Visionen für die Zusendung des Rezensionsexemplars zu danken – deswegen: herzlichen Dank :-)

Viele Grüße und bis zum nächsten Manga!

Michaela

→ Hier noch ein Link zum Buchtrailer auf Youtube!

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