Phantom – Kapitel 2.3

Kora nahm hinter dem Keyboard Platz. Er drückte kurz ein paar Knöpfe, um das Instrument auf den gewünschten Klang einzustellen, und begann dann zu spielen. Es war eine langsame Melodie, die zunächst aus nur einigen, wenigen Tönen bestand, mit der Zeit aber immer dichter wurde und sich zu einer von Melancholie dominierten, bewegenden Komposition entwickelte. Frank hörte gerne zu, lehnte sich im Sofa zurück und ließ das Spiel auf sich wirken. Klavierspielen konnte der Bursche, dachte er sich. Vielleicht war er kein zweiter Mozart, aber das erwartete nun wirklich keiner.

Die Melodie mündete in eine Fermate, der eine kurze Pause folgte. Frank blickte schon auf und wollte etwas sagen, als er Koras konzentriertem Gesichtsausdruck anmerkte, dass das Stück noch nicht zu Ende war. Kora setzte wieder an zu spielen und diesmal sang er dazu. Frank lief ein Schauer den Rücken hinab. Mit solch einer angenehm dunklen, weichen Stimme, wie sie nun durch seine Wohnung strömte, hatte er nicht gerechnet.

>Cold Farewell<

A gentle breeze, swaying silky curtains
The ghost of soul

Lips as smooth as courtesy
Eyes closed to the show

My trembling fingers bathing in a warm sensation
Let me just hold this short moment of remembrance
My stirred senses beholding the red salvation
No right to take this short moment of remembrance

I smile in grief

A mellow blaze, glowing pretty speckles
The ghost of soul

Features blurred so artlessly
Mind shut to the blow

My trembling fingers bathing in a warm sensation
Let me just hold this short moment of remembrance
My stirred senses beholding the red salvation
No right to take this short moment of remembrance

I smile in grief

And feel relief

Es lag dermaßen viel Gefühl in den gesungenen Worten, dass Frank richtig davon ergriffen war. Die traurige Schwermut, die von dem Lied ausging, nahm ihn ganz und gar gefangen. Es war eine merkwürdige Empfindung, als sich sein Inneres zusammenzog und dabei seinem Herz nicht mehr genügend Platz ließ, ordentlich zu schlagen.

Nachdem der letzte Ton verklungen war, kam er wieder zu sich, musste erst einmal tief durchatmen, bevor er anfangen konnte zu sprechen.

„Ist das von dir? Krass, Mann.“

Kora zuckte bloß mit den Schultern, lächelte leicht.

„Nur keine falsche Bescheidenheit“, meinte Frank kopfschüttelnd, stand auf und lief in die Küche. „Warte kurz, bin gleich wieder da.“ Mit einem Mal war er voller Tatendrang, freute sich innerlich wie ein Schneekönig über seinen genialen Einfall mit dem Aushang und darüber, dass der Zweizeiler Kora zu ihm geführt hatte. In Gedanken stellte er die Band bereits neu auf.

Er brachte eine Flasche Wasser und zwei Gläser ins Wohnzimmer und holte außerdem noch seine akustische Gitarre. Kora beobachtete ihn ruhig und gelassen.

„Also … Scheiß auf das Demotape“, eröffnete Frank und stimmte nebenbei die Saiten. „Macht’s dir was aus, wenn wir gleich was ausprobieren?“

Kora schüttelte den Kopf. Er hatte wieder auf dem Sofa Platz genommen „Nur zu.“ Mit übereinander geschlagenen Beinen blickte er Frank abwartend an.

Frank nahm einen Schluck Wasser. „Okay, was hältst du davon?“ Er spielte ein paar Takte eines Stückes, an dem er neulich mit den anderen der Band gebastelt hatte. Natürlich klang es auf der Akustikgitarre anders als auf der elektrischen, aber für den Akkordverlauf war das unerheblich und den Rhythmus brachte er auch auf der Akustikgitarre gut hin. Es war ein flottes Lied und er war gespannt, was Kora damit anfangen würde.

Als er einmal mit dem Refrain durch war, spielte er ihn ohne Unterbrechung gleich noch einmal und Kora verstand die Aufforderung. Eine Melodie legte sich über die Akkorde, gesummt, die dem aggressiven Grundgerüst des Liedes noch etwas Düsteres, Bedrohliches mitgab. Frank grinste, spielte den Refrain noch einmal und ließ die Saiten dann ausklingen. Mit dem Eindruck, dass nicht nur dieses eine Stück, sondern genau diese Formation – die vier Bandmitglieder plus Kora – es wirklich zu etwas bringen könnte, griff er nochmal nach seinem Wasserglas. Über dessen Rand schaute er Kora in die Augen. „Donnerstagabend ist Bandprobe. Geht das bei dir?“

Phantom

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