Phantom – Kapitel 2.1

Es war ein eisiger Dezemberabend, an dem der Anruf Karl und Fred im Büro erreichte. Sie mussten zu einem Tatort, einer Wohnung im Zentrum der Stadt. Man hatte dort zwei Leichen gefunden, zwei Personen, die offensichtlich keines natürlichen Todes gestorben waren. Die Opfer waren die Mieterin der Wohnung, eine junge Frau Anfang zwanzig, und ein Mann ungefähr im selben Alter. Er war noch nicht identifiziert. Eine Freundin des weiblichen Opfers hatte die beiden gefunden.

Die Wohnung befand sich im zweiten Stock eines Altbaus in einer belebten Straße. Das Treppenhaus war sauber und hell und ließ nichts von dem, was hinter der Tür mit der Nummer 21 geschehen war, erahnen.

Die Spurensicherung war bereits vor Ort, als Karl und Fred eintrafen, deshalb hielten sie sich zunächst am Rande des Geschehens auf. Karl hatte nur einen kurzen Blick auf die Szene geworfen und sich dann der Freundin des Opfers, die die Polizei gerufen hatte und nun vollkommen in Tränen aufgelöst in der Küche der kleinen Wohnung saß, zugewandt. Hier war von der schrecklichen Tat, die sich im Schlafzimmer zugetragen hatte, nichts zu sehen.

„Wir waren verabredet am … späten Nachmittag“, berichtete die Freundin unter Schluchzern. „Ich habe … einen Schlüssel wegen … Lilly.“

„Lilly?“ Karl zog fragend die Augenbrauen nach oben und wartete geduldig auf eine Antwort. Der Name der Toten war nicht Lilly. Die Freundin nahm einen Schluck aus dem Glas Wasser, das Karl ihr hingestellt hatte.

„Das … ist die Katze. Wenn sie im Urlaub war, habe ich … die Katze … gefüttert und die Blumen …“ Sie schnäuzte sich einmal kräftig und konnte dann etwas ruhiger weiter erzählen. Karl hörte geduldig zu, bekam aber erst einmal keine auf den ersten Blick brauchbaren Informationen. Die Katze war nicht in der Wohnung aufzufinden. Und den jungen Mann, der neben der Toten im Bett lag, hatte die Freundin noch nie gesehen. Sie wusste nur aus Telefonaten von einer neuen Bekanntschaft, die die Tote wohl erst vor Kurzem gemacht hatte. Ein neuer Freund? Karl würde das auf jeden Fall prüfen. Und er musste auch die Freundin noch einmal zu einer Aussage aufs Revier bitten. Mit einem Seufzer erhob er sich – nicht ohne sich zu vergewissern, dass sich jemand vom Rettungsdienst um die junge Frau kümmerte – und gesellte sich zu Fred.

„Es schaut aus, als wären sie überrascht worden“, meinte Fred und deutete auf die Szene, die sich ihnen im Schlafzimmer bot. Karl kroch bei dem Anblick erneut ein leichter Schauer über den Rücken. „Keine Anzeichen von Gegenwehr. Jeweils ein sauberer Schnitt mit einem Messer. Es lag noch im Bett daneben.“ Fred hielt einen durchsichtigen Beutel mit einem blutverschmierten Kochmesser in die Höhe.

„Also keine emotionsgeladene Tat?“ Karl begutachtete kurz das Messer, aber ohne eine Untersuchung auf Spuren konnten sie damit gerade nichts anfangen. Womöglich wusste die Freundin des Opfers, ob das Messer hier aus der Küche oder von jemandem mitgebracht worden war.

„Sieht erst mal nicht so aus. Vielleicht ein Einbruch? Ein Raubüberfall?“

Karl hatte die Wohnung bereits flüchtig abgesucht. „Es scheint nichts zu fehlen, das heißt, ich habe keine Unordnung gefunden, die auf ein Durchsuchen hindeuten könnte.“

„Ging mir auch so. Vielleicht wusste derjenige aber auch ganz genau, wo er nach etwas Bestimmtem zu suchen hatte.“

„Kann sein. Dann hätte er die beiden aber vielleicht doch gekannt. Was ist mit Mord und Selbstmord?“

Fred runzelte die Stirn. „So sauber? Kann ich mir nicht vorstellen, aber das wird der Gerichtsmediziner beurteilen können.”

„Was ist mit den Nachbarn?“

„Ich hab gerade schon den Fuchs und Frau Strobel losgeschickt. Ohne eine ungefähre Tatzeit dürfen wir aber auf nicht allzu viel hoffen.“

Karl blies noch einmal kräftig Luft aus seinen Lungen. Dann schüttelte er den Kopf und bemerkte nur: „Mann, so eine Schweinerei. Und das kurz vor Weihnachten.“

Phantom


Und nun noch etwas Blabla am Ende des Kapitels:

Von der Jahreszeit passt dieses Kapitel gerade so überhaupt nicht^^ Es spielt zeitlich vor Kapitel 1, wie ihr bemerkt haben dürftet, falls ihr es schon gelesen habt.

Die Kapitel von Phantom werde ich nicht so regelmäßig veröffentlichen können, wie das bei Abgründig der Fall war, weil die Geschichte noch im Entstehen ist. Nach Kapitel 1 ging es nämlich eine ganze Zeit lang nicht vorwärts … Kapitel 2 ist aber fertig und Kapitel 3 so gut wie. Wie viele danach noch folgen, hängt ganz davon ab, was mir während des Schreibens alles so einfällt. Ich habe nämlich überhaupt keinen Plan gemacht ;)

Viel Spaß beim Lesen!

Werbeanzeigen

Kommentar verfassen

Bitte logge dich mit einer dieser Methoden ein, um deinen Kommentar zu veröffentlichen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.