Filmvorstellung: The Empire of Corpses

The Empire of Corpses ist ein Science Fiction-Abenteuer-Film, der 2017 von KAZÉ mit deutscher Synchronisation veröffentlicht wurde. Die Vorlage zum Film stammt vom japanischen Science Fiction-Autor Project Itoh, der mit bürgerlichem Namen Satoshi Ito heißt und im März 2009 mit nur 34 Jahren an Krebs starb. Produziert wurde der Film von STUDIO WIT, das beispielsweise auch für die Anime Attack on Titan und Seraph of the End verantwortlich zeichnet. The Empire of Corpses spielt im 19. Jahrhundert und erzählt die Geschichte des Londoner Leichentechnikers John Watson, den seine wissenschaftliche Neugier einmal rund um die Erde führt.

Nachdem vor ca. 100 Jahren, im achtzehnten Jahrhundert, Viktor Frankenstein den ersten Menschen künstlich wiederbelebt hat, verbreitet sich diese Art der Technologie über die gesamte Erde. Überall werden Leichen auferweckt, um sie den Lebenden als niedere Hilfsarbeiter dienen zu lassen. Nach Viktor Frankenstein ist es nämlich niemandem mehr gelungen, einen intelligenten, sprechenden Wiedergänger zu erschaffen. Frankensteins Notizen zu seinem genauen Verfahren sind verschollen, und so versuchen die Leichentechniker, eine Art Forscher, mithilfe von Experimenten Frankensteins Methode zu rekonstruieren. Mit Seelenstoff, das ist die Substanz, die den Toten zugeführt wird um sie wieder lebendig zu machen, zu arbeiten ist jedoch nur den Regierungen bzw. autorisierten Forschern erlaubt. John Watson führt seine Experimente illegal durch, doch ihm gelingt es, seinen ehemaligen Studienkollegen und Freund Friday, der bereits sehr jung gestorben ist, mit einer einigermaßen vorhandenen Intelligenz ins Leben zurück zu holen. Das offensichtlichste, das Friday allerdings fehlt, ist die Fähigkeit zu sprechen, was für Watson das einzig untrügliche Zeichen für vollkommene menschliche Intelligenz und Gefühle darstellt.

7630017510396_screenshot_1_web

Bevor er jedoch weiter an Friday experimentieren kann, bekommt er Besuch von einem Regierungsangestellten. Weil Watson von der Regierung als vielversprechender Forscher angesehen wird, bekommt er einen Deal angeboten: Er wird nicht für seine unerlaubten Forschungsexperimente bestraft, wenn er dafür einen Auftrag für die Regierung erledigt. Ein russischer Leichentechniker lässt in großem Stil Tote wiederauferstehen, um sich eine Armee und mit Hilfe dieser ein eigenes Reich aufzubauen. Watson soll ihn ausfindig und machen und die fortgeschrittene Technologie seines russischen Kollegen an sich nehmen, denn es wird vermutet, dass dieser Frankensteins Notizen kennt. Dieser zunächst geradlinige Auftrag führt Watson jedoch immer tiefer in ein Labyrinth aus hinterhältigen Machenschaften und jagt ihn letztendlich von Kontinent zu Kontinent. Vom Jäger wird er zum Gejagten und hofft dabei aber immer, Friday irgendwann doch noch zum Sprechen zu bringen.

Die Themen, die der Film anschneidet, sind durchaus etwas weiter gestreut. Gerade zu Beginn erinnert mich die Geschichte mit der Erweckung der Leichen und deren Verwendung als Werkzeuge der Lebenden (denn als nichts anderes werden die zombieartigen Kreaturen angesehen) stark an aktuelle Thematiken aus der Robotik und der künstlichen Intelligenz. Was können Roboter, inwieweit können Sie den Menschen ersetzen und was dürfen sie können, also bis wohin sollen sie sich entwickeln? Statt Robotern werden hier tote und wieder auferweckte Menschen verwendet, was den obigen Fragen natürlich noch einen etwas makabren Beigeschmack gibt. Des Weiteren überrascht es auch nicht, dass im Zusammenhang mit Frankenstein und dem von ihm erschaffenen Wesen die Frage aufkommt, ob künstlich erschaffene Wesen eine Seele und mit dieser einhergehend Gefühle haben. Diese Fragen werden von dem Film freilich nicht endgültig beantwortet, aber das kann von ihm auch nicht wirklich erwartet werden.

7630017510396_screenshot_2_web

Die Handlung des Films ist im Rahmen der dargestellten Welt größtenteils schlüssig aufgebaut. Es werden leider nicht immer alle Motive der handelnden Personen offenbart, was vielleicht dem Medium Film und dessen knapper Spiellänge (im Gegensatz zu Serien) geschuldet ist. Gerade zum Schluss hin wird die Handlung sehr verworren und trotz aller technologiegetriebenen Entwicklungen leicht esoterisch, zumindest für meinen Geschmack. Insgesamt ist der Film bunter, als man es auf den ersten Blick erwarten würde. Watsons Reise rund um die Welt führt ihn an zeichnerisch wunderschön umgesetzte Orte. Besonders Afghanistan hat es mir hier angetan. Auch die Synchronisation gefällt mir richtig gut. Die Stimmen passen einfach zu den Charakteren. Die flüssigen Animationen und das reduziert moderne Charakterdesign machen auch optisch neben oder eher vor den tollen Hintergründen einen guten Eindruck.

Dass Watson seine Abenteuer nicht allein bestreiten muss, dürfte nicht überraschen. Seine Begleiter sind allesamt recht sympathisch, auch wenn man nicht allzu viel über die Geschichte hinausgehend über sie erfährt. Watson selbst ist als ehrgeiziger Forscher gut getroffen. Er will eigentlich für alle nur das Beste, doch sein wissenschaftlicher Ehrgeiz lässt ihn – besonders wichtig an einer Stelle im Film – durchaus auch falsche Entscheidungen treffen. Dies verleiht ihm neben seinem beruflichen Überfliegerdasein einen sehr menschlichen Zug. Und wer sich jetzt schon die ganze Zeit eine bestimmte Frage gestellt hat: Der John Watson aus diesem Film ist niemand anderes als Sherlock Holmes‘ Begleiter Dr. John Watson; allerdings spielt The Empire of Corpses vor dieser Zeit.

7630017510396_screenshot_3_web

Abschließend kann ich sagen, dass mich vor allem die Parallelen zu den oben genannten Themen KI und Robotik an The Empire of Corpses sehr fasziniert haben. Auch die Verknüpfung einiger bekannter Namen und deren Geschichten ist ein interessanter Aspekt des Films. Lediglich die teilweise knapp gehaltenen Informationen, die dem Zuschauer geboten werden, stören mich ein wenig. Die optische Präsentation dagegen ist top und macht großen Spaß. Außerdem ist der Film insofern kein typischer SciFi-Anime, als er ohne Weltraumtechnik und Mechas auskommt. Falls sich mir die Möglichkeit bietet, würde ich gerne einmal die Romanvorlage lesen.

Das war’s für heute, bis zum nächsten Mal

Michaela

Der Film wurde mir von KAZÉ bzw. AV Visionen kostenfrei für diese Rezension zur Verfügung gestellt! Herzlichen Dank dafür an dieser Stelle :)
Die Screenshots und der Trailer stammen von KAZÉ.

Hier ist der Link zum Filmtrailer!

Advertisements

Ein Kommentar zu „Filmvorstellung: The Empire of Corpses

  1. Klingt interessant, die Thematik von Frankenstein kann selbst heute noch mit Robotik- und Zombiethematas interessieren, man denke an den Manhwa „Mary Godwin“ der da auch mit dem berühmten Roman spielt. Insgesamt ein schöner Bericht der Lust auf den Film macht, gute Arbeit ^^

    Gefällt 1 Person

Kommentar verfassen

Bitte logge dich mit einer dieser Methoden ein, um deinen Kommentar zu veröffentlichen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.