Mangavorstellung: TOUCH MY JACKASS

Und wieder mal stelle ich euch einen Manga vor, TOUCH MY JACKASS, einen Boys Love-Einzelband von Scarlet Beriko, der 2017 bei Egmont Manga erschienen ist. Das etwa 240 Seiten dicke Büchlein (das sind etwas mehr Seiten als bei Mangabänden sonst üblich) ist mit Recht für Leser(innen) ab 18 empfohlen :)

TOUCH MY JACKASS war mein erster Manga von Scarlet Beriko, aber mit Sicherheit nicht mein letzter. Ihre Zeichnungen bestechen vor allem durch klare, geschwungene Linien, die Panelaufteilung ist übersichtlich und die Figuren sind relativ realistisch gehalten. Ein paar Punkte, die Zeichnungen betreffend, möchte ich noch etwas genauer darstellen. Das eine, was mir an den Zeichnungen aufgefallen ist, ist, dass die Augen der Personen – eher untypisch für Mangas – ziemlich einfach gehalten sind, insbesondere kommen sie ohne superaufgebauschte Wimpern aus. Die Figuren selbst sehen auch ihrem Alter entsprechend aus (Oberschüler, die wie Oberschüler ausschauen und nicht wie Zwölfjährige). Und überhaupt sieht man auf den ersten Blick, dass es sich bei den männlichen Personen auch um ebensolche handelt. Insgesamt machen diese Eigenschaften das Lesen des Mangas sehr angenehm.

TOUCH MY JACKASS
TOUCH MY JACKASS

Okay, nachdem die Optik also stimmt, sollte ich vielleicht noch kurz anreißen, worum es überhaupt geht. Wie oben schon durchgeklungen ist, befinden wir uns an einer Schule. Auf diese Schule geht unter anderem Keisuke, der mit seiner älteren Schwester zusammen wohnt und größtenteils den Haushalt alleine schmeißt. (Seine Schwester bemüht sich, für die beiden den Unterhalt zu verdienen, ist aber ansonsten eher unzuverlässig.) Als Keisuke eines Tages vor dem Sportunterricht beim Umziehen nicht nur seine Sporthosen überstreift, sondern unten drunter auch noch halb in den Strumpfhosen seiner Schwester steckt, bemüht er sich nach Leibeskräften, diese peinliche Situation zu vertuschen. Hintergrund: Seine Schwester hat in seinem Sportanzug geschlafen, offenbar mit Strumpfhosen, und am Morgen einfach alles zusammen ausgezogen. Er hat den Sportanzug dann ohne weiter nachzugucken in seine Sporttasche gestopft. Vielleicht kommt euch das ja bekannt vor? :)

Jedenfalls bemerkt nur Keisukes Klassenkamerad Shinoda Keisukes missliche Lage und schleift ihn kurzerhand wegen eines vermeintlich verdorbenen Magens in die Krankenstation. Dort angekommen stellt sich allerdings heraus, dass Shinoda, der im Unterschied zu Keisuke aus reichem Elternhaus stammt und sich um Geld überhaupt keine Sorgen machen muss, ein kleines Geheimnis hat: Er hat einen Strumpfhosenfetisch. Und Keisukes durchtrainierte Beine in Strumpfhosen sind für ihn im Vergleich zu den Mädchenbeinen, auf die er sich bis dahin beschränkt hat, eine regelrechte Offenbarung. Weder Keisuke noch Shinoda wissen daraufhin zunächst, wie sie mit dieser intimen Situation umgehen sollen.

Neben Keisuke und Shinoda spielt auch Keisukes Kindheitsfreund Katsumi eine wichtige Rolle. Katsumi ist offen schwul und wird deswegen von einigen Mitschülern gemobbt, lässt die Sticheleien aber scheinbar unbeeindruckt an sich abprallen. Katsumi wird zu so etwas wie Keisukes Berater in Sachen Shinoda, hat dabei aber auch mit eigenen Problemen, auch liebestechnischen, zu kämpfen.

TOUCH MY JACKASS
TOUCH MY JACKASS

Alles in allem könnte man meinen, dass der Manga schon etwas skurril ist, schließlich geht es hauptsächlich um Strumpfhosen! Dem ist aber nicht so. Scarlet Beriko hat mich mit ihrer Geschichte einigermaßen positiv überrascht, weil sie erstaunlich ernst mit dem Thema umgeht. So ist sich Shinoda seiner nicht gesellschaftskonformen Neigung mehr als bewusst, und das, obwohl er sonst wie vom Leben reich beschenkt scheint. Das macht ihm natürlich zu schaffen. Und Keisuke ist, Shinoda betreffend, hin und her gerissen: Zum einen entwickelt er Gefühle für seinen Mitschüler, zum anderen ist er sich aber bewusst, dass dieser nur auf seine nylonumhüllten Beine steht, nicht auf ihn als Person.

Wie die zwei mit dieser Situation klarzukommen versuchen und wie Katsumi seinen ganz eigenen Schwierigkeiten begegnet, könnt ihr, wenn euch diese kurze Vorstellung neugierig gemacht hat, in TOUCH MY JACKASS nachlesen. Diesen Einzelband finde ich wirklich einen der gelungeneren in jüngster Zeit und die 8,00 € sind aus meiner Sicht gut angelegt. Natürlich ist die Deklaration „ab 18“ auch nicht umsonst angegeben, denn es finden sich schon einige explizite Szenen im Buch – mit schönen Aussichten auf knackige Sportlerbeine. Das einzige, das ich nicht so ganz verstehe, ist, warum der Originaltitel „JACKASS!“, was ja meines Wissens nach so viel wie „Dummkopf“ bzw. „Trottel“ bedeutet, in „TOUCH MY JACKASS“ umbenannt wurde. Aber sei’s drum …

TOUCH MY JACKASS
TOUCH MY JACKASS

Falls ihr den Manga schon gelesen habt, dürft ihr natürlich gerne eure Meinung in den Kommentaren hinterlassen. Und allen, denen  TOUCH MY JACKASS gefallen hat, kann ich Royal Tailor von derselben Mangaka empfehlen – ebenfalls ein vergleichsweise erwachsener Boys Love-Manga über einen Schneider und einen jungen Angestellten.

Ich wünsche euch ein schönes Wochenende, bis zum nächsten Mal!

Michaela

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6 Kommentare zu „Mangavorstellung: TOUCH MY JACKASS

  1. Lustig, meine Kollegin hat mir den Manga erst vor ein paar Tagen zum Lesen gegeben und ich musste schon bei ihrer Beschreibung irgendwie grinsen. Der Manga ist schon etwas schräg, zählt für mich aber auch zu einem der besseren des Genres, zumal ich allgemein „reifere“ Manga schätze. Jedenfalls hat der Manga ausgereicht, dass ich mir alle anderen Manga von der Mangaka auch habe geben lassen. :D

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    1. Wirklich ein lustiger Zufall :) Von der Mangaka kenne ich sonst nur noch Royal Tailor, und der ist auch einer der „reiferen“ Manga – wenn auch etwas vorhersehbarer und geradliniger als TMJ (allerdings auch weniger umfangreich). Die anderen Bände, die von der Mangaka auf deutsch bereits erschienen sind, habe ich hier liegen, allerdings noch nicht gelesen ;) Wie ging es dir mit ihren anderen Manga?

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      1. So, nachdem ich gerade einen halben Roman geschrieben habe und dann statt senden auf abbrechen geklickt habe, das ganze nochmal. ;^;

        Habe jetzt alle Manga von ihr gelesen, die es auf Deutsch bisher gibt. Muss sagen, sie sind alle gut für Zwischendurch und ich bin definitiv wieder dabei, sollte erneut was von der Mangaka erscheinen, aber die Bände selbst werden bei mir wohl nicht einziehen.
        Royal Tailor hat mir von allen vieren noch mit am besten gefallen. Ja, er ist vorhersehbar und geradlinig, dafür aber auch weniger verrückt. Das passte ganz gut. Schade, dass er nur so dünn ist. Letztendlich hätte der Inhalt auch gut Stoff für eine Serie abgegeben.
        Show me your Gun hat mich etwas überrascht. Im Gesamtpaket war er gut durchdacht, allerdings haben mich einige Szenen doch schlucken lassen. Lag nicht am sexuellen Gehalt an sich, sondern an der Darstellung. Es gibt zum Thema Yakuza bessere BL.
        Give me a Hand war für mich der schwächste Manga bisher. Inhaltlich könnte ich nicht einmal mehr eine Zusammenfassung geben. Er hat mich unterhalten ja, aber irgendwo auch gelangweilt?

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      2. Besten Dank für dein Feedback!
        Ich fand es auch schade, dass Royal Tailor so schnell vorbei war. Die Beziehung der beiden hat sich auf so wenigen Seiten irgendwie nicht Stück für Stück entwickeln können, sondern war einfach da … Die anderen beiden Bände fehlen mir immer noch – ich werde sie aber lesen.
        Das Gefühl, das du wohl bei Give me a Hand hattest, kommt mir bekannt vor. Irgendwie war der Manga nicht schlecht, aber so richtig neu auch nicht und deshalb auch nicht so, dass man sich hinterher noch richtig daran erinnert.

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