Bühne frei: „THE“420″ THEATRICAL ROSES“ von MEJIBRAY

Zur Band MEJIBRAY habe ich ein eher zwiegespaltenes Verhältnis – und zwar zwiegespalten über die Zeit. Konnte ich zuerst mit ihrer Musik gar nichts anfangen, so habe ich mittlerweile doch einige Stücke für mich entdeckt, die mir gefallen – darunter auch welche, die ich anfangs nicht mochte. Tja, so ändert sich der persönliche Geschmack wohl auch innerhalb einer relativ kurzen Zeitspanne. Außerdem kommt noch hinzu, dass die Band, besonders Sänger Tsuzuku, auch abseits der Musik sehr sympathisch wirkt. Neben Tsuzuku spielen noch Gitarrist MiA, Bassist Koichi und Schlagzeuger Meto bei MEJIBRAY. Kostümtechnisch fällt vor allem Meto oft als Paradiesvogel der Gruppe auf. Die Gruppe existiert seit 2011 und macht Musik im Bereich Hard Rock und Dark, Heavy bzw. Melodic Metal.

Zurück aber zur CD, die ich euch vorstellen möchte: Das 2014er Album THE“420″ THEATRICAL ROSES, hier in der CD only-Variante, wollte ich eigentlich schon seit Längerem vorstellen. Bislang hat mir dafür aber irgendwie das letzte bisschen Entschlossenheit gefehlt bzw. die Zeit dazu. Nun hat es das Album aber endlich auf den Blog geschafft! Vielleicht spiegelt das mein oben beschriebenes Verhältnis zur Band ganz gut wider. Dass mir die Musik zunächst nicht so gefallen hat, mag zu einem Großteil an Tsuzukus Stimme liegen. Sie ist, zumindest für meine Ohren, etwas gewöhnungsbedürftig, da sie vergleichsweise hoch ist; außerdem hat er (oder sie, die Stimme) ein sehr eigenes Vibrato. Tsuzukus Falsettgesang ist aber, wie bei vielen japanischen Sängern, sehr angenehm.

Rumgekriegt hat mich die Gruppe mit einem Lied, das auch auf THE“420″ THEATRICAL ROSES enthalten ist, nämlich mit RAVEN. RAVEN ist wieder mal ein Lied von der eher durchgeknallten Sorte, besonders in Verbindung mit dem Musikvideo. Aber auch akustisch ist es definitiv kein Mainstream. Allein der Beginn mit dem Schlagzeug und den Einwürfen der E-Gitarre hat hohen Wiedererkennungswert. Dann kommt noch Tsuzukus Gesang hinzu, und hey – was er mit seiner Stimme alles anstellen kann, ist schon beachtlich. Im Kreischen und Quieken macht er Kyo von Dir en grey eindeutig Konkurrenz, besonders bei den hohen, schrillen Tönen. Der schwerfällige, orchestrale Zwischenteil nach dem ersten Refrain gibt dem Lied nochmal eine zusätzliche, interessante Komponente. Außerdem sind immer wieder kleine Bassläufe eingebaut, sodass alle Instrumente gut zur Geltung kommen.

YT_mejibray-raven

Das Lied 埋葬虫 [maisoumushi] schlägt dagegen ganz andere Töne an – wobei, so verschieden sind sie eigentlich gar nicht. Denn lässt die Akustikgitarre zunächst auf ein etwas ruhigeres Stück schließen, wird man als Hörer schnell eines Besseren belehrt, wenn das Schlagzeug im Staccatorhythmus einsetzt. In gewisser Weise ist 埋葬虫 [maisoumushi] sogar noch verrückter als RAVEN. Es hat keine wirkliche Melodie, trotzdem geht das Stück ins Ohr. Der Gesang besteht nur aus Screams und Growls und es sind die Instrumente, die doch so etwas wie eine Melodieführung einbringen. Ganz im Hintergrund glaube ich sogar, traditionell japanische Klänge herauszuhören. 埋葬 [maisou] heißt übersetzt Begräbnis und 虫 [mushi] Insekt, Wurm oder Made.

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瞬間のアイディアル [shunkan no ideal] – „Momentanes Ideal“ ist ein locker flockiges Rocklied, mit einem eingängigen Refrain, der zum Mitsingen geeignet ist, sofern man denn des Textes mächtig wäre. Ja, auch das können MEJIBRAY. Die Untermalung durch die Streichinstrumente verleiht dem Lied einen dezent dramatischen Charakter. Insgesamt könnte ich es mir zum Beispiel gut als Anime-Opening vorstellen.

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Das vorletzte Lied auf dem Album, 鳥は泳ぎ方を知らず溺れ亡骸 [tori wa oyogikata wo shirazu obore nakigara], ist Traurigkeit und Dramatik pur. Zu Beginn weist es wieder einige Passagen mit traditionell japanischen Instrumenten auf, in den Strophen ist es schwerfällig, untermalt vom Schlagzeug, dem Bass und einer Klavierstimme, und mündet über eine E-Gitarren-lastige, dramatische Bridge in einen wehmütigen Refrain mit superschöner Melodie. Ein Zwischenteil mit Akustikgitarre lässt den Refrain in der Wiederholung umso eindrucksvoller wirken. Gegen Ende holt Tsuzuku dann noch einmal alles aus seiner Stimme heraus, bevor eine Streichinstrumentpassage das Lied würdig abrundet; „Der Vogel weiß nicht, wie man schwimmt – ertrunkene Kadaver“

YT_mejibray-tori

Es gäbe noch viele weitere Lieder auf THE“420″  THEATRICAL ROSES, die ich euch hier ebenfalls vorstellen könnte, aber gerade 埋葬虫 [maisoumushi] und 鳥は泳ぎ方を知らず溺れ亡骸 [tori wa oyogikata wo shirazu obore nakigara] sind schon eher Ausnahmestücke in dem Sinn, dass sie sich von ihrer Art her von den anderen Liedern auf der CD deutlich abheben, und sollten hier deshalb unbedingt genannt werden.

Was sagt ihr zu der Gruppe? Ich bin auf eure Meinung gespannt.

LG Michaela

PS: Da ich so lange mit dem Beitrag gewartet habe, ist es passiert: MEJIBRAY pausieren seit vergangenem Jahr, wobei im Januar dieses Jahres Bassist Koichi und Sänger Tsuzuku  offenbar ihre Verträge mit dem Management aufgelöst haben. Wie es aktuell um die Band steht oder wie es mit ihr weitergeht, weiß ich nicht …

6 Kommentare zu „Bühne frei: „THE“420″ THEATRICAL ROSES“ von MEJIBRAY

  1. Cool. Ich höre gerne japanische Musik, aber eher selten in letzter Zeit.
    Das klingt toll! Danke!
    Kennst du „Kuchiki no tou“ von MuCC? Das find ich auch schön.

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      1. Ich meinte das Lied^^ Aber die andere Musik, die du vorgestellt hast hier finde ich richtig gut, ich höre gern rock und die japanische Sprache klingt einfach toll, finde ich.

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      2. Das freut mich, wenn du etwas gefunden hast, das dir gefällt. Es sind ja doch sehr unterschiedliche Sachen, die sich hier so tummeln :) Wenn du MUCC magst, kann ich dir beispielsweise auch die japanischen Gruppen Xaa-Xaa und Awoi empfehlen.
        Den Klang der japanischen Sprache mag ich ebenfalls^^ Viele, die ich kenne, finden ihn eher merkwürdig, wobei ich vor allem glaube, dass das auch Gewöhnung ist … LG Michaela

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