Buchvorstellung: Der Ruf der Rache (Die Sieben Monde 1)

Der Fantasyroman Der Ruf der Rache der amerikanischen Schriftstellerin B.C. Dornbusch ist 2016 im Bastei Lübbe-Verlag erschienen, wobei Arno Hoven für die Übersetzung verantwortlich zeichnet. Es ist der erste Teil der Trilogie Die Sieben Monde. Sieben Monde deshalb, weil die Geschichte in einer Welt spielt, in der sieben verschieden große Monde des Nachts über den Himmel wandern. Jeder dieser Monde steht für eine Gottheit, die in den unterschiedlichen Teilen der Welt unterschiedlich intensiv angebetet werden. Außerdem hat jeder der Götter ein eigenes Attribut, eine Zuständigkeit, für die er als Schutzgottheit fungiert.

Draken vae Khellian trägt in seinem Nachnamen den Namen des Kriegsgottes Khellian. In Monoea, seinem Heimatland, ist dies für uneheliche Kinder so Sitte. Da trifft es sich eigentlich ganz gut, dass er als Kommandant der Schwarzen Garde des Königs, eines Elitetrupps, der lieber bei Dunkelheit als bei Tageslicht zu Werke geht, ziemlich erfolgreich ist. Der Erfolg hält so lange an, bis seine Frau eines Tages grausam ermordet und er dieser Tat beschuldigt wird. Die Konsequenz ist seine Verbannung aus Monoea ins Nachbarland Akrasia, das nur auf dem Schiffweg zu erreichen ist. Vor der Küste von Akrasia wird Draken kurzerhand ins Meer geworfen und seinem Schicksal überlassen. Allein der Wille, irgendwie seine Unschuld zu beweisen, lässt ihn den Weg an Land finden. Weit abseits der Heimat ist sein Plan allerdings leichter gesagt als getan. Noch dazu befindet er sich nun in dem Land, auf dessen Bevölkerung er in seiner Funktion bei der Schwarzen Garde in einem wenige Jahre zurückliegenden Krieg Jagd gemacht hat. Es gilt also zunächst, unerkannt zu bleiben, zumindest aber nicht als Monoeaner erkannt zu werden. Zum einen hilft ihm da seine dunkle Hautfarbe, die für Monoeaner untypisch ist (die aber einen guten Grund hat), zum anderen auch, dass Akrasia am Rande eines Bürgerkriegs steht und mit sich selbst genug zu schaffen hat. Aber Draken wäre nicht Draken, wenn er in diese Geschehnisse nicht hineingezogen würde. Und wenn diese Geschehnisse nicht viel mehr mit ihm zu tun hätten, als er sich vorstellen kann.

Der Ruf der Rache
Der Ruf der Rache

Eine erste, wichtige Rolle in seinem neuen Leben spielt der Mantiker Osias, dem er kurz nach seiner unfreiwilligen Ankunft in Akrasia begegnet. Mantiker sind Magier, eine Art Nekromanten, die mit Flüchen und Geistern kommunizieren können und die vom Aussehen her stark den Elben aus Herr der Ringe zu ähneln scheinen. Zumindest sieht Draken sie so, denn Mantiker schauen nicht für jeden Menschen gleich aus. Osias‘ Partnerin dagegen ist ein Mondling-Halbblut. Mondlinge sind kleingewachsene Menschen, die nomadenhaft durch Wälder streifen und Magie aus der Natur ziehen. Zusätzlich zu Mantikern und Mondlingen gibt es in Akrasia dann noch die Akrasianer – das Volk, das über weite Teile des Landes herrscht – und die Brînianer, dunkelhäutige, breit gebaute Menschen, die unter anderem als Piraten verschrien sind. Getarnt als Brînianer schafft Draken es – wieder mehr unfreiwillig als beabsichtigt -, der jungen akrasianischen Königin Elena aufzufallen. So wird er hineingezogen in Intrigen und Verwicklungen in einem fremden Land, die sich nur in kleinen Häppchen auflösen, wobei jede Lösung eine weitere Undurchsichtigkeit zu offenbaren scheint.

Ich muss sagen, dass ich zu Beginn ein klein wenig Schwierigkeiten hatte, in die Handlung einzusteigen. Erklärungen, was warum passiert, gibt es wirklich so gut wie keine; man wird als Leser einfach in die Geschichte hineingeworfen. Nach und nach fügen sich dann die einzelnen Erkenntnisbrocken aber wie Puzzleteile zusammen, wenn auch sehr langsam. Ein weiterer Punkt, der mir den Einstieg und das Lesen im Allgemeinen erschwert hat, ist die Sprache. Teilweise sind Sätze sehr verkehrt herum formuliert, sodass ich regelrecht über sie gestolpert bin. Ich musste öfter einmal Passagen mehrfach lesen. Ich weiß nicht, ob das an der Übersetzung liegt, oder so auch im Original der Fall ist. Irgendwie aber habe ich mich daran gewöhnt.

Und wo wir schon beim Schreibstil sind: Sehr wahrscheinlich nicht an der Übersetzung liegt es, dass der Fokus der Handlung ab und an merkwürdig gesetzt ist. Handlungsrelevante Stellen werden oft in wenigen Sätzen, wenn nicht sogar in einem einzigen Satz abgearbeitet, während weniger entscheidende Passagen sich deutlich länger hinziehen und beschrieben werden. Manchmal werden vermeintlich wichtige Informationen auch einfach komplett unter den Teppich gekehrt. Ein einfaches „Ach ja, das hab ich vergessen zu erwähnen“ im Nachhinein ist dann keine zufriedenstellende Lösung.

Abgesehen von diesen Ausrutschern, die das Bild einiger Charaktere leider etwas beeinträchtigen, ist die Handlung sonst aber, wenn man einmal drin ist, gut und schlüssig aufgebaut. Es geht immer zügig voran, Verschnaufpausen gibt es weder für Draken noch für uns Leser. Überraschende Wendungen sind quasi an der Tagesordnung. Wichtig dabei: Sie fallen nicht vom Himmel (es sei denn, es betrifft die Götter), sondern sind in der Regel durch ein bereits vergangenes Ereignis begründet. Die Tatsache, dass ab und an die Götter ihre Finger mit im Spiel haben, fügt sich glaubwürdig in die Geschichte ein. Das heißt, der Eindruck, dass es eh egal ist, was die Figuren so treiben – die Götter werden es schon irgendwie richten – ist bei mir nicht entstanden.

Neben Schlachten und dem Aufdecken einer menschenfeindlichen Bedrohung nach der anderen gibt es auch witzige Stellen. Vor allem Bruche, ein durchaus zynischer Charakter, sorgt mit seinen Gesprächen mit Draken, manchmal auch durch seine bloße Anwesenheit (oder eher seine Nicht-Anwesenheit), für einige Lacher. Draken ist dabei ein recht sympathischer Protagonist, vielleicht etwas zu viel Gutmensch, der sehr schnell verzeiht, aber vor allem kein eingebildeter Auserwählter oder – vielleicht noch schlimmer – ein in Selbstmitleid zerfließender, auserwählter Nervtöter.

Fazit: Eine bunte Welt, mit teils bekannten, teils neuen Kreaturen, vielen unterschiedlichen Charaktertypen und eine grundsätzlich gut durchdachte, mitreißende Handlung, die nur an einigen Stellen nicht hundertprozentig ausgegoren ist. Auf jeden Fall ein fesselnder Auftakt der Trilogie, der die Latte fürs Erzähltempo hoch ansetzt. Ich bin gespannt, was Draken noch alles erlebt, denn ich bin mir ziemlich sicher, dass ihm kein ruhiges Leben vergönnt sein wird.

Beste Grüße

Michaela

Trilogie der Sieben Monde
Trilogie der Sieben Monde

 

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