Heute wieder mal ein Beitrag über Tee. Diesmal über Gyokuro, im Japanischen 玉露 geschrieben, was laut → Wikipedia übersetzt „edler Tautropfen“ bedeutet.

Der Gyokuro ist ein Schattentee, das heißt, dass er vor der Ernte ca. drei Wochen lang voll beschattet wird. Dadurch bildet er zum einen mehr Chlorophyll aus als unbeschatteter Tee, zum anderen auch noch viele weitere Stoffe, die durch Lichteinfluss zerstört würden.

Wegen des aufwändigen Anbaus ist Gyokuro ziemlich teuer. Den Tee, den ich hier vorstelle, gibt es aber schon für „nur“ 25 € pro 100 g.

Grünen Tee sollte man allgemein ja nie zu heiß aufgießen, für Gyokuro gilt das aber im Speziellen, damit die wenigen Bitterstoffe, die dieser Tee hat, schön in den Blättern bleiben und nur das feine, charakteristische Aroma freigesetzt wird. Folglich habe ich den ersten Aufguss mit 60° C heißem Wasser aufgegossen und ihn zwei Minuten ziehen lassen. Auf die 300 ml Wasser, die meine Kanne fasst, habe ich 2 TL Teeblätter gegeben. Ich habe gelesen, dass es aber auch durchaus mehr Teeblätter sein dürfen, gerade weil der Tee relativ mild ist.

Den zweiten Aufguss habe ich wieder mit 60° C heißem Wasser zubereitet und die Ziehzeit auf anderthalb Minuten verkürzt. Wenn die Teeblätter nach dem ersten Aufguss schon feucht sind, geht das Aroma bei den folgenden Aufgüssen schneller ins Wasser über.

Für den dritten Aufguss habe ich 70° C heißes Wasser verwendet und den Tee wieder zwei Minuten ziehen lassen. Eine vierten (80° C; 2,5 Min.) und fünften (90° C; 3 Min.) Aufguss habe ich auch noch probiert. Richtig gute (teure?) Tees kann man wohl bis zu acht Mal aufgießen …

Gyokuro
Gyokuro

So weit zur technischen Seite. Und wie hat der Tee nun geschmeckt? Das ist ja das Wichtigste.

Der erste Aufguss war der intensivste – der Tee hat zum einen natürlich nach Chlorophyll gerochen (manche würde auch Spinat dazu sagen), aber auch nach Melone (eher so Richtung Galia-/Netzmelone), Birne und Aprikose, also gelbe, mehlige Früchte. Geschmeckt hat er zum einen nach Heu bzw. Heublumen, aber auch wieder leicht fruchtig nach Melone. Bitter war er überhaupt nicht (also haben die Wassertemperatur und die Ziehzeit wohl gepasst). Die feuchten Teeblätter nach dem Aufguss haben in der Kanne wie der Tee gerochen, nur stärker, also nach Grün und gelben Früchten. Außerdem auch ein bisschen nach Brathähnchen.

Das klingt komisch? Ich habe mich danach noch etwas informiert und herausgefunden, dass gerade im Gyokuro wohl auch ziemlich viel Umami ist, dieser würzige Geschmack, den keiner so recht beschreiben kann. Vielleicht ist das Brathähnchen ja eigentlich Umami gewesen?

Gyokuro
Gyokuro

Zur Optik lässt sich nicht viel sagen, außer dass die gelb-grüne Farbe der Tasse von Aufguss zu Aufguss blasser wurde. Der Tee wurde mir in einem wiederverschließbaren Beutel verkauft, damit das Aroma möglichst lange erhalten bleibt. Außerdem bewahre ich ihn im Kühlschrank auf, genau wie beispielsweise auch Matcha.

Viele Grüße

Michaela

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9 Gedanken zu “Ein Tässchen Tee – Gyokuro

      1. Hach ich mag sie alle 😍 Bis auf Früchtetee davon bekomme ich Sodbrennen 🙈
        Es kommt ganz auf Lust und Laune an, welchen Tee ich trinke. Zum Wachwerden mal einen schwarzen Tee, Kräuter und weißen Tee. Für das Immunsystem ist Cystrose-Tee das beste überhaupt. Ich liebe auch Bambustee aber den bekommt man so schwer 😥

        Liebe Grüße

        Laura

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      2. Alles leckere Teesorten! Ich bin eigentlich auch nicht wählerisch, was Tee angeht bzw. Teesorten. Nur diese komischen Yogi-Tees mag ich nicht so. Hatte da z. B. mal einen mit „Sweet Chili“-Geschmack, der war nicht so der Hit 🙂 Bambustee hatte ich tatsächlich auch schon mal. Der ist ein bisschen wie eine Mischung aus Grün- und Kräutertee, aber recht mild – und lecker!
        LG Michaela

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    1. Wenn’s schnell gehen muss, ist Grüntee aber eigentlich gar nicht so verkehrt. Wir haben einen Wasserkocher, bei dem man die Temperatur einstellen kann, d. h. das Wasser muss nicht erst aufkochen und dann wieder auf die gewünschte Temperatur abkühlen, sondern kann gleich nur bis zur Zieltemperatur erhitzt werden. 60° C gehen zum Beispiel recht schnell. Und 2 Minuten Ziehzeit sind auch recht schnell vorbei.
      Ach ja, mit einer Einhandkanne, wie ich sie verwende, ist das Aufbrühen und Abseihen auch ganz leicht. Die Teeblätter sind lose in der Kanne. In der ist ein Siebeinsatz eingebaut, sodass beim Ausschenken die Blätter drin bleiben. 300 ml passen auf einmal in eine große Tasse. Insgesamt brauche ich für eine Tasse Grüntee weniger als 5 Minuten.
      Oder meinst du, dass Tee aufzubrühen allgemein zu lange dauert? Die Wasser-/Limoflasche ist auf jeden Fall noch schneller aufgeschraubt 😉 LG

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