Mit JILUKA habe ich kürzlich wieder eine Band für mich entdeckt. Schuld daran war wie so oft Youtube 🙂 Beim Stöbern bin ich nämlich über das Musikvideo zum Song Omelas, der sich auf dem aktuellen Minialbum Xenomorphic befindet, gestolpert. Die vier Jungs aus Japan, die sich 2013 zu einer Band zusammengefunden haben (mit Ausnahme des Schlagzeugers, der im gleichen Jahr noch ausgewechselt wurde), machen Musik irgendwo im Bereich Metalcore bzw. Deathcore, was man ihnen vielleicht nicht auf den ersten Blick ansieht. Auch das Stichwort Djent (noch ein Musikgenre) taucht öfter im Zusammenhang mit JILUKA auf.

Das Lineup der Gruppe lautet aktuell wie folgt: Ricko betätigt sich am Gesang, Sena spielt Gitarre und komponiert die Lieder, Boogie spielt den Bass und Zyean ist am Schlagzeug für den Rhythmus verantwortlich. Xenomorphic ist als drittes Minialbum der Gruppe am 28. Juni 2017 erschienen und enthält sechs Lieder:

  1. -Bipolar-
  2. Omelas
  3. Ajna
  4. Bloodshot
  5. Necropolis
  6. Helix

Außerdem ist eine Bonus-DVD enthalten, die drei Musikvideos früherer Singles und ein weiteres Special enthält. Faizh und Divine Error sind auf jeden Fall Anspieltipps!

  1. Faizh (music video)
  2. Divine Error (music video)
  3. Lethal Affliction (music video)
  4. -The Divine Gear- (about equipment)

Was mich an JILUKA positiv überrascht hat, ist die Tatsache, dass sich ihr Sound die vergangenen Jahre über nicht dem Mainstream angenähert hat, wie das bei vergleichbaren Bands oft der Fall ist, sondern dass er im Gegensatz eher noch eine Spur deftiger geworden ist.

Omelas ist nach dem kurzen, beinahe sanften Instrumentalintro -Bipolar- wirklich ein Brett. Auffallend finde ich hier neben der Gitarre, die bei JILUKA immer sehr gut zur Geltung kommt, vor allem auch das Schlagzeug, das den schnellen, staccatoartigen Rhythmus wirklich von vorn bis hinten durchzieht, unterbrochen nur von wenigen, schweren Passagen. An der Gitarre wechselt Sena quasi ständig zwischen Rhythmus und Soloeinlagen, was den Abwechslungsreichtum des Liedes unterstreicht. An Rickos Screams und Growls habe ich rein gar nichts auszusetzen und auch seiner cleaner Gesang ist nicht übel.

Ajna erscheint am 25.10.2017 nach Omelas als weitere Singleauskopplung, allerdings in einer neu aufgenommenen Version, die sich in den Strophen deutlich von der Albumversion unterscheidet. Zur neuen Version von Ajna ist bereits ein Video auf Youtube verfügbar und ich muss sagen, die neue Version gefällt mir ein wenig besser als die Version auf Xenomorphic. Was beide Versionen aber gleich haben, ist die schöne Gesangsmelodie im Refrain. Hier ist die neue Version des Liedes, die nicht so, aber so ähnlich auf Xenomorphic zu hören ist. In der neuen Version beeindrucken mich vor allem die wie nebenbei eingespielten Parts auf der E-Gitarre, die fast wie alte Computerspielsounds klingen. Ich bin mir nicht ganz sicher, wie Sena die genau spielt, ob mit Tapping, Sweep Picking oder sonstigen Techniken (vermutlich mit einer Mischung). Genau diese Einlagen sind allerdings auf der Albumversion nicht enthalten.

Bloodshot kommt ohne klaren Gesang aus, dafür wird etwas Elektrosound hineingemogelt. Am besten finde ich das wiederkehrende Gitarrenriff, das mich an irgendein anderes Lied erinnert, allerdings fällt mir nicht ein, an welches 🙂 Necropolis gefällt mir in den Strophen ganz gut und wartet wieder mit ansprechenden Soloeinlagen der E-Gitarre auf, einzig der Refrain, der wieder clean gesungen ist, ist nicht der Wahnsinnsohrwurm. Helix schließt das Album würdig ab. Es vermischt Sprechgesang in den Strophen, einen beinahe fröhlichen Refrain und ein klassisches E-Gitarren-Solo mit dem JILUKA-typischen Sound, der einen das Album über begleitet.

Der Begriff „Omelas“ – bei einer kurzen Recherche bin ich dabei auf das Buch „The Ones Who Walk Away From Omelas“ von Ursula K. Le Guin gestoßen. Ich habe es nicht gelesen, aber es geht wohl darum, dass das Glück von Vielen, den Einwohnern der utopischen Stadt Omelas, auf dem Unglück eines Einzelnen beruht. Vom Leiden dieses einen Unglücklichen handelt wohl das Lied Omelas. Und der Begriff „xenomorph“ bezieht sich ursprünglich auf Minerale, die aufgrund von äußeren Umständen nicht in ihrer eigentlichen kristallinen Form vorliegen, sondern in einer anderen, unnatürlichen Gestalt, was auch die übertragene Bedeutung dieses Wortes ist. Der Sündenbock aus Omelas kann ebenfalls als xenomorph bezeichnet werden. Und noch ein Nice-to-know-Fakt: „Ajna“ ist im Hinduismus das Chakra (Energiezentrum) des dritten Auges, das das Unterbewusstsein symbolisiert, mit dem unter ausreichend Training in die Zukunft gesehen werden kann.

So weit für dieses Mal. Ihr dürft natürlich wie immer gern eure Meinung zu JILUKA in den Kommentaren abgeben. Ich bin gespannt, ob Rückmeldungen kommen 🙂

Viele Grüße

Michaela

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16 Gedanken zu “Von unnatürlicher Gestalt – „Xenomorphic“ von JILUKA

  1. Zugegeben: Ich stehe eigentlich weder auf Death- noch Metalcore. Aber irgendwie hat diese ganz besondere Mischung hier etwas. Danke, dass du mich mit diesem Beitrag auf eine Band aufmerksam gemacht hast, auf die ich wohl sonst nie gekommen wäre 😉 Ich bin in der japanischen Szene nicht so unterwegs und kenne daher nur Bands, die hierzulande etwas bekannter sind. Aber es lohnt sich auch mal nach anderen Ausschau zu halten 😉

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      1. Im Fernseh. Da scheint zwischendrin mal einer gestorben zu sein. Aber so ein strohblonder Typ hat gesagt, dass es ihn wundert, wenn er auf seine ganze Karriere bei der Gruppe zurück blickt, dass er das alles erleben durfte und es ihm vorkommt wie ein Traum. Aber auf welchem Sender, weiß ich nicht: Hab da ein Mädel, die schaltet ständig weiter ..

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  2. Die Gruppe war wohl auch aufgelöst und hat sich wieder neu zusammen gefunden anfang des Jahres. Ich lach ja immer noch über diese Gruppen, aber wir haben im eigenen Land ja auch genügend Nachahmer und Poser: Bei den Scorpions ist wirklich jeder Schritt auf der Bühne einstudiert. Da bleibt nichts dem Zufall überlassen und wenn zwei zwei Gitarristen Rücken an Rücken spielen, dann geschieht dies direkt nach Drehbuch 😉

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      1. Ja, von so oder ähnlichen Sachen sind auch die alten Bands nicht ganz rein. Robert Plant, der Sänger von Led Zeppelin hat zugegeben, dass er immer noch ein Taschentuch in die Hose steckte, auf der Seite, wo sein Schwanz war, weil er dachte, die weiblichen Fans schauen ihm eh nur auf die Hose .. Man siehts auch in den alten Videos, wo man denkt: Huh, der Mann muss ja von Gott freundlich bestückt sein .. :DDD

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      1. Und er hat schon den Entengang von AC/DC drauf. Aber der ist eigentlich von Chuck Berry. Es wurde damals sehr viel auch aus dem Blues übernommen, den die in Freiheit entlassenen amerikanischen Sklaven seinerzeit erfunden haben. Led Zep sind wirklich dem Blues sehr verpflichtet: Nicht alles klingt so brachial, wie dieser geniale und einmalige Song.

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