Wer die Musik von D schon kennt, dem dürfte der Abwechslungsreichtum dieser Band nicht fremd sein. Die CD, um die sich dieser Beitrag dreht, Neo culture -Beyond the world-, steht dem in nichts nach. Als Album aus etwas älteren Tagen, nämlich von 2007, wirkt die Musik auf mich aber doch etwas weniger theatralisch bzw. pompös als die neueren Werke, was jedoch auf keinen Fall negativ gemeint ist. Ich finde nur, dass man einen Unterschied z. B. zu Vampire Saga schon deutlich merkt. Neo culture versprüht eine frischere, leichtere Art. Mit einem weinenden Auge trauere ich dieser Musik bisweilen hinterher. Neo culture ist vielleicht mein Lieblingsalbum der Gruppe.

Zur Band hatte ich ja schon im Beitrag zu Vampire Saga ein paar Eckdaten erwähnt, deswegen komme ich gleich zur CD an sich. Sie ist in drei Versionen erschienen. Die grüne Variante ist die A-Type mit einer Bonus-DVD, die das Musikvideo zum Lied 薔薇色の日々 [barairo no hibi] enthält. Die B-Type mit gelbem Cover hat auf der DVD das Musikvideo zu 久遠 [kuon], die C-Type (lila) kommt ohne DVD, jedoch mit denselben Liedern (kein Bonustrack) daher.

Die Scheibe beginnt verträumt mit Follow, das jedoch nur zu Beginn harmlos wirkt. Es entwickelt sich zu einer lockeren Midtempo-Nummer, die einen angenehmen Einstieg in die CD darstellt. Nachdem wir die ersten Schritte schon D gefolgt sind, setzt SIGNAL die angestrebte Reise um und hinter die Welt etwas flotter fort. Die locker-flockige Rocknummer lädt zum Mittanzen ein. Bei den beiden ersten Stücken fällt besonders auch der Hintergrundgesang auf!

Und jetzt kommt schon ein erstes Highlight: 桜花咲きそめにけり [ouka saki some ni keri] – sinngemäß vielleicht „Die Farbe der Kirschblüten vergeht“ lässt einen abtauchen ins alte Japan, inklusive Sakura und Fächertanz. Die Lyrics sind offenbar in einem alten japanischen Dialekt geschrieben bzw. gesungen. Eine Geschichte über ruhelose Geister unter Kirschbäumen. Sänger Asagi macht auch als Geisha im Fantasieoutfit eine ganz gute Figur^^

Auf das erste Highlight folgt sogleich das nächste. Ich habe ja von Abwechslung geschrieben … Es kommt gar nicht so oft vor, dass D ein derart gothiclastiges Lied wie Schwarzschild produzieren. Richtig gelesen, wir haben hier wieder einen deutschen Titel, wie auch schon Der König der Dunkelheit auf Vampire Saga, wobei Schwarzschild natürlich älter ist. Und ja, zugegeben, Schwarzschild ist etwas theatralisch und pompös. Nichtsdestotrotz gefällt mir das Lied. Es kommt einigermaßen bedrohlich daher und vertreibt erst zum Schluss, der mit Klavier- und Akustikgitarrenbegleitung deutlich getragener als der Rest des Stückes ist, die im Schatten lauernden Gestalten. Ein treibendes Gitarren-/Basssolo in der Mitte des Liedes sticht ebenfalls hervor.

→ zu Schwarzschild

Die nächsten beiden Stücke, Glacial Melt und Marine snow, sind wieder sehr unterschiedlich. Versprüht Glacial Melt eher ein Gefühl von Verzweiflung, wird dieses in Marine snow von der Impression einer weiten, unberührten Tiefsee in abgelöst.

Im Lied Canon Del Colca beeindruckt vor allem Sänger Asagi mit seinem Gesang im Refrain, der sehr befreiend wirkt, wobei die akustischen Gitarren im Hintergrund und während ihres kurzen Solos ebenfalls hörenswert sind. Ein kleiner Geheimtipp von mir. Ach ja, ich hab das mal nachgeschlagen: Das Colca-Tal ist ein ziemlich tiefer Canyon in Peru. Ich bin mir nicht sicher, ob sich der Titel des Liedes auf dieses Tal bezieht …

In Graveless wird es wieder etwas düsterer. In den Strophen, die mit einer markanten Gitarrenstimme hinterlegt sind, braut sich eine unterschwellige Spannung zusammen, die sich im aggressiven Refrain mit treibendem Schlagzeug dann zornig entlädt. Im nächsten Stück, dem orientalisch anmutenden 空に咲む花,水に棲み地に宿る。 [sora ni emu hana, mizu ni sumi chi ni yadoru.] – „Blumen, die im Himmel erblühen, im Wasser wachsend auf der Erde wohnen“ entführen die Jungs von D den Hörer in eine längst vergangene Welt aus Palästen und Intrigen. Die Gitarrenstimme zu Beginn des Lieds und ganz am Ende finde ich großartig. Insgesamt ist es vom Gesang her nicht sehr eingängig, zumindest nicht in den Strophen und nicht in dem Maß, wie man es sonst von D gewohnt ist, aber wegen des orientalischen Flairs besitzt es doch Wiedererkennungswert. Im Refrain tritt der Bass stärker in den Vordergrund, was immer wieder ein feiner Zug ist.

Auch 久遠 [kuon] – „Ewigkeit“ lässt einen in die Ferne schweifen. Sehnsucht und Melancholie verbinden sich in diesem wunderschönen Stück zu einer eingängigen Melodie, deren Eindruck noch lange nachwirkt. Einfach mal in einer ruhigen Minute anhören!

[Gerade solche Stücke sind es, die ich in der neueren Zeit von D etwas vermisse. Klar darf sich eine Band weiterentwickeln, soll sie sogar, aber dieses Gefühl, das z. B. kuon erzeugt, schafft keine der aktuelleren Veröffentlichungen.]

薔薇色の日々 [barairo no hibi] – „Rosengefärbte Tage“ wirkt zunächst, im Vergleich zu vielen anderen Liedern auf der CD, weniger spektakulär, doch die positive Leichtigkeit des Stücks tritt bei jedem Durchlauf deutlicher hervor und trägt den Hörer mit den Wolken, dem Wind und der Sonne fort über leuchtende, frische Landschaften. Dearest You bildet den Abschluss, ein D-typisches Lied, das wie das Vorgängerstück auch eher in die beschwingtere Ecke (im Gegensatz beispielsweise zu Schwarzschild) einzuordnen ist. Im Ohr bleibt vor allem der Schlusston von Sänger Asagi.
Eine CD, die den Hörer rund um die Welt führen soll – und dies innerhalb der zwölf Lieder auch ganz gut hinbekommt. Wer sich darauf einlässt, wird (musikalisch) sicher nicht enttäuscht werden!

Was mir zum Schluss noch auffällt: Meine vier Lieblingslieder (ouka saki some ni keri, Schwarzschild, Canon Del Colca und kuon) sind auf keiner der vielen Live-Mitschnitt-DVDs enthalten. Warum nicht? :/ Werden/Wurden sie überhaupt jemals live gespielt?

Wie findet ihr die frühe Version von D? Sagt jetzt bloß nichts Falsches! 😉

LG Michaela

→ mehr Musik von A bis Z

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17 Gedanken zu “In einer Stunde um die Welt und darüber hinaus – „Neo culture -Beyond the world-“ von D

      1. Okay^^ From the presented album, I would say it is „ouka saki …“, the first video that I included in the blogpost. It has this eastern style with some traditional Japanese instruments combined with the „modern“ rock music sound. But I always find it very difficult to choose one thing as a favorite because sometimes there are many different things which are great in their own way and comparing them is somehow dissatisfactory. But sometimes you have to give just one answer 😉

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    1. Auf keinen Fall sind die neueren Sachen schlecht, aber es ist halt irgendwie anders 🙂 Mmh, vielleicht ist es so, dass bei den neueren Sachen weniger Band und mehr Drumherum dabei ist (nicht nur die Kostümierungen, auch was die Instrumentierung der Lieder angeht und so). Weißt nicht, ob das der Punkt ist?
      Aber gut zu wissen, dass es nicht nur mir so geht 😀

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  1. Du hast es geschaft: Beim hören von „D“ sind mit Tränen des Glücks geflossen. Das ist eine Heavy-Gruppe, die Japan alle Ehre macht. Ich hab auf dem Boden gelegen und gebetet. So etwas Gutes hab ich lange nicht gehörte.Danke!!!

    Das andere hör ich mir morgen an, aber ich muust „D“ immer wieder hören. ❤

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    1. Also ich mag sie sehr gern^^ „D“ ist eine meiner Lieblingsbands und ich glaube, von keiner anderen Band habe ich mehr CDs 🙂 Mich hat’s nur gewundert, weil du sonst ja sehr kritisch bist, was Musik angeht 😉 Es freut mich, wenn dir die Gruppe gefällt 😀

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    1. Ja, du meinst „kuon“, nicht wahr? Das ist so schön das Lied – zum Wegträumen^^ Der Sänger hat die Haare meistens übers halbe Gesicht^^ Ist irgendwie so ein spezieller Look von ihm – sein rechtes Auge sieht man eigentlich nie.

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