HELLÉBORE ist ein Manga-Einzelband des französischen Zeichner-Duos Frozen Garden und auf Deutsch im Pyramond-Verlag erschienen. Das 88 Seiten dicke Buch bietet knackige Boys Love- bzw. Yaoi-Unterhaltung in einem futuristisch-fantastischen Setting für Leser ab 18 Jahren, die, sowohl was die Story als auch den Zeichenstil angeht, nicht Standard ist. Das Buch ist besser als Standard.

Zugegeben, die Handlung beginnt relativ schemagetreu: Der Neurochirurg Frederick ist zu Gast in einem Club, um sich vom Stress auf der Arbeit – er arbeitet in einer etwas zwielichtigen Privatklinik – zu erholen. Ablenkung in Form von Alkohol ist er dabei nicht abgeneigt. Als er eines Abends ziemlich aufdringlich von einem jungen, gutaussehenden Gast angemacht wird, lässt er sich tatsächlich darauf ein und verbringt eine Nacht mit dem Mann namens Sendhil. Zu Fredericks Verwunderung bleibt es aber nicht nur bei dieser einen Nacht, denn Sendhil scheint tatsächlich Interesse an ihm zu haben.

Was zunächst wie üblicher Boys-Love-Schmalz daherkommt, entpuppt sich aber schon kurz darauf als Spionagethriller mit einer Portion Drama. HELLÉBORE spielt um das Jahr 3012 in einer Welt, in der ein Teil der Bevölkerung übernatürliche Kräfte hat. Diese Kräfte können von der Beherrschung der Elemente über außergewöhnliche körperliche Fähigkeiten hin zu psychischen Kräften reichen. Zur Welt an sich, die für mich großes Potential zu haben scheint, wird aber nicht allzu viel erklärt. Im Nachwort erwähnen die beiden Autorinnen ein Vorgängerwerk, Nepenthès, das von der Handlung zwar unabhängig von HELLÉBORE ist, jedoch in der gleichen Welt spielt (und mit 165 Seiten deutlich umfangreicher als HELLÉBORE ist). In Nepenthès gibt es wohl ein paar Infos zum Drumherum, allerdings scheint es dieses Werk aktuell nur auf Französisch über die Homepage der Autorinnen zu geben. Es ist jedoch nicht so, dass man Nepenthès kennen muss, um HELLÉBORE zu verstehen.

Die beiden Hauptcharaktere, Frederick und Sendhil, fand ich sehr sympathisch. Obwohl das Buch nur 88 Seiten hat, kommen ihre Persönlichkeiten, ihre Motive, Beweggründe und Gefühle, gut heraus, manchmal zwar nur zwischen den Zeilen (oder eher Bildern), aber das macht einen Reiz dieses Buches aus. Die Beziehungsgeschichte zwischen den beiden fand ich zwar nicht revolutionär, aber ebenfalls gelungen. Zumindest nichts, was man schon hunderte Male gelesen hätte – und das bei der Flut an BL-Manga, die so in der Welt kursieren. Optisch gibt’s in der Hinsicht übrigens durchaus was zu gucken – ohne Zensurbalken.

Die Handlung, also der Teil abseits der Beziehungskiste, ist von der Idee her super, aber irgendetwas muss bei dem geringen Umfang des Buches kürzer treten, und in diesem Fall ist es eben der Teil der Geschichte, der den Thriller-/Crime-Anteil ausmacht. In diesem Punkt hätte es für mich gerne noch mehr sein dürfen. Vor allem gegen Schluss hin, wenn es zur Auflösung kommt, ist alles recht knapp erzählt. Das Ende an sich ist offen gehalten, etwas traurig und zuversichtlich zugleich, wobei die Zuversicht für mich überwiegt.

Vom Inhaltlichen nun zum Äußerlichen. Das Buch hat ein angenehmes Format, das etwas größer ist als die üblichen Manga. So wirken die Zeichnungen, die zumeist in schwarz-weiß ohne Grauabstufungen gehalten sind, viel intensiver. Den Stil würde ich als Mischung zwischen Manga und Comic einordnen, also zwischen dem „typisch japanischen“ und dem „typisch westlichen“ Zeichenstil. Er ist ein wenig skizzenhaft, aber die geschwungenen Linien (zum Beispiel in Sendhils Frisur) bringen eine unglaubliche Dynamik in die Bilder und geben dem Ganzen etwas Markantes. Das Cover deutet hier vielleicht einen weicheren Stil an, doch das täuscht meiner Meinung nach. An der Panelaufteilung kann ich nicht meckern. Sie erlaubt ein flüssiges Lesen genau wie die Übersetzung aus dem Französischen, die vor allem in den Bettszenen ohne merkwürdige Dialoge auskommt.

Hellébore
Hellébore

Alles in allem ein Boys Love-Einzelband der ungewöhnlicheren Sorte, den ich vor allem den Genre-Lesern empfehlen kann, die bereits genug Weichspüler-Romanzen gelesen haben und die vor allem erwachsene Charaktere schätzen. Auch diejenigen, die offen für europäische Comics nach japanischem Vorbild sind, dürfen einen Blick in HELLÉBORE wagen. Zur 1. Auflage legt der Verlag bei Bestellung im Onlineshop übrigens eine exklusive Postkarte bei – ein Grund also, schnell zuzuschlagen 😉

Ich möchte Pyramond ganz herzlich für das Rezensionsexemplar danken und kann allen, die auch nach dieser Vorstellung noch nicht so ganz wissen, was sie von HELLÉBORE halten sollen, die Leseprobe auf der Verlagsseite ans Herz legen.

Ein Kommentar noch zum Angeben^^: Der Name Hellébore bezieht sich auf eine Pflanzengattung, nämlich auf die Nieswurz (lat. Helleborus), die vielleicht besser bekannt ist als Christrose. Im Nachwort wird der Zusammenhang des Mangas mit diesem Titel bzw. der Pflanze erklärt.

Viele Grüße

Michaela

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16 Gedanken zu “Buchvorstellung: HELLÉBORE

  1. …hust… don’t feed the Trolls???….
    ehm nee was ich sagen wollte……….
    Ich bin ja kein grosser Comic- oder Mangafan. Komisch, ich mochte schon als Kind keine Sprechblasen. Ich mag Stories mit Bildern dabei, aber das Lesen in Sprechblasen macht mich immer fix und fertig. Warum das so ist weiss ich selber nicht. Na jedenfalls……….Nachdem ich Deine Vorstellung gelesen hatte, fand ich es klang spannend und lecker. Also habe ich mir die Leseprobe angeschaut. Und war ziemlich entsetzt.
    Man darf von der Illustration des Titelblattes wirklich nicht auf den Zeichenstil im Inneren schließen. Kein Problem wegen schwarz-weiss ohne Grautöne aber ehm…….nach meinem persönlichen ästhetischen Empfinden sind die Charaktere einfach lieblos dahingerotzt. Vielleicht bin ich aber auch bloss wegen den Zeichnungen von eatsbluecrayon verwöhnt, lach.
    Schade. Hätte mir der Stil gefallen wäre das vermutlich das erste gekaufte Comic/Manga meines Lebens geworden.
    (Von gaaaanz damals, Fix & Foxi mal abgesehen) 😉

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    1. Ja, der Zeichenstil ist so eine Sache, die muss natürlich gefallen^^ Ich kann z. B. mit dem Stil amerikanischer/französischer/belgischer/… Comics nicht so gut. Vielleicht ist das mittlerweile aber auch Gewöhnung, denn Asterix habe ich früher sehr gern gelesen. Der Stil von Hellébore ist aber tatsächlich nicht repräsentativ, also kannst du vielleicht noch den ein oder anderen Blick in andere Bücher wagen 🙂
      Von Fix & Foxi hatte ich auch ein paar Hefte daheim 😉

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      1. In SL ist mir mal ein junger Franzose begegnet, der mir über eins berichtete in welches ich dann auch einen Blick warf…….das haute mich wirklich um. Es war eigentlich ein Psycho Krimi mit einer im Hintergrund implizierten BL Story. Doof ist nur, dass ich den Titel nicht mehr erinnere…….sonst hätte ich Dir das schon vor Ewigkeiten mal vorgestellt………Scheiss Alzheimer! 🙂

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  2. Keine Ahnung was da hilft. Auf meinem alten Rechner hatte ich das gebookmarked aber der ist ja seit fast zwei Jahren tot. Und ich habe mir extra die Mühe gemacht und meine SL chatlogs von dem Typen der mir das empfahl nochmal angeschaut, eine Stunde lang die chatlogs von einem ganzen Jahr gelesen – also quergelesen. Aber ich fand nirgends den Link. Vermutlich hatte er mir im „chat nearby“ gegeben, das ist in SL der Chat mit dem man sich inworld unterhält. Der wird im Gegensatz zu private messages nicht geloggt. (jedenfalls nicht per default Einstellungen ……. und das würde auch viel zu viel Blödsinn aufbewahren lol…………) Jedenfalls finde ich es nicht mehr. Ich kann natürlich versuchen ihn anzuschreiben (auch wenn ich seit einem Jahr keinen Kontakt mehr zu dem Bürschlein habe) und nachzufragen ob er sich erinnert was er mir „damals“ empfahl.

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    1. Haha manchmal hilft einfach die richtige Suchweise. Jetzt hat mir das doch keine Ruhe gelassen.
      Also gab ich in Ermanglung eines Titels einfach mal Sachen wie „Manga Roman Hybrid über einen Profiler“ ein…….immer im Hinterkopf das Valahr mir damals sagte, es sei nur auf Englisch/Französisch erhältlich. Und siehe da………..meine Suche fruchtete. Und ich durfte feststellen das es das inzwischen sogar auf Deutsch gibt.
      Der Titel des Werkes lautet „In These Words“. Der Autor ist Kichiku Neko. Und hier ist eine Leseprobe:
      http://tokyopop.de/leseproben/leseprobe-in-these-words/
      Du kannst auch nach Bildern googlen, es gibt jede Menge. Und Amazon hat wie ich herausfand seit Mitte April eine „perfect Edition“ als gebundene Ausgabe. Deren Titelbild ist genau das Bild welches mir Valahr damals zeigte, und worauf hin ich Feuer fing.
      Ich bin sehr gespannt, ob das an Dich geht oder nicht, grins.

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    1. Da bin ich ja schon ein bisschen beruhigt^^
      In These Words ist genau was für mich 😉 Aktuell sind’s zwei Bände, aber die Story ist noch nicht abgeschlossen … Bin mal gespannt, wann’s weitergeht. Das Artwork ist wirklich ziemlich genial – eins der besten, das aktuell so kursiert, würde ich fast sagen. Huiuiui 😉

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