Empire of Storms – Pakt der Diebe von Jon Skovron aus dem Heyne Verlag habe ich von der Verlagsgruppe Randomhouse als Rezensionsexemplar bekommen. Vielen Dank dafür!

Die Beschreibung auf der Rückseite des Buchs hat mich definitiv neugierig gemacht. Eine Kriegerin und ein Dieb – zwei, die eigentlich so gar nicht zusammen passen sollten. Klingt auf jeden Fall interessant.

Das Imperium der Stürme ist ein gewaltiges Reich, das sich über Kontinente und Ozeane erstreckt. Regiert wird es von einem gottgleichen Kaiser – und von den Biomanten, mächtigen Zauberern, die einen Menschen mit nur einem Wimpernschlag töten können. So wie sie es auch mit der Familie der jungen Kriegerin Hope getan haben. Als Hope Jahre später dem berüchtigten Straßendieb Red begegnet, schließen die beiden ungleichen Helden einen schicksalhaften Pakt, der sie auf ewig aneinander binden soll. Ein Pakt, der das Imperium in seinen Grundfesten erschüttert …

Es wird in dieser Beschreibung schon ein wichtiges Ereignis vorweg genommen: Hope und Red begegnen sich. Danach sieht es nämlich zumindest zunächst nicht aus. Die Geschichte beginnt mit einer achtjährigen Hope, die mit ansehen muss, wie ihr gesamtes Dorf von einem Biomanten, einer Art Zauberer und Wissenschaftler in einem, im Rahmen eines Experiments vernichtet wird. Einige Zeit später wird sie von einem Handelsschiff aufgegriffen und landet schließlich in einem Kloster, in dem sie vom Ordensleiter in den geheimen Kampfkünsten der Mönche unterrichtet wird.

Und die Geschichte beginnt mit dem achtjährigen Red, eigentlich Rixidenteron (klingt wie eine Zahnpasta^^), der nach dem Tod seiner Eltern lernen muss, in den rauen Straßen der Stadt New Laven zu überleben. Ihm zur Hilfe steht dabei Sadie, eine stadtbekannte Draufgängerin, die sein Geschick erkennt und den Sohn einer Künstlerin und einer Hure zum besten Dieb in der „Kehre“, dem Armenviertel von New Laven, ausbildet.

Empire of Storms - Pakt der Diebe von Jon Skovron
Empire of Storms – Pakt der Diebe von Jon Skovron

Obwohl das Aufeinandertreffen von Hope und Red unausweichlich ist, finde ich die Anfangszeit der beiden, ihre achtjährigen und auch ihre sechzehnjährigen Ichs, überhaupt nicht langweilig. Das mag zum einen am flüssigen und klaren Schreibstil liegen, zum anderen finde ich viele Szenen auch echt witzig. Zum Beispiel, als Sadie auf die Idee kommt, Piratin zu werden. Gemeinsam mit Red heuert sie eine Bande mehr oder weniger begabter Matrosen an, mit der sie ein paar Monate lang die Gewässer rund um New Laven unsicher macht – oder es zumindest versucht.

Das Imperium der Stürme ist eine Ansammlung von Inseln mit der Hauptstadt bzw. Hauptinsel Steingrat im Norden, New Laven im Zentrum und der Heimatinsel von Hope (sie ist nach ihrem Heimatdorf Bleak Hope benannt, ihr richtiger Name bleibt zunächst unbekannt) im Süden. Im Buch ist eine Karte des Imperiums abgebildet, die jedoch sehr klein ist, sodass man nicht wirklich viel erkennt. Auch die Stadt-/Inselkarte von New Laven, wo später ein Großteil der Handlung stattfindet, ist sehr rudimentär gehalten. Aufgrund der Topografie des Imperiums spielt vor allem in der ersten Hälfte des Buchs die Seefahrt eine wichtige Rolle.

Mit etwa achtzehn Jahren begegnen sich Hope und Red schließlich. Hope, die unterkühlte Kriegerin, die auf Rache für ihr Dorf aus ist, und Red, der sich mit Gewitztheit und Scharfblick durchs Leben schlängelt und dabei eigentlich mehr erreichen könnte, als die Kehre ihm bieten kann. Die beiden Protagonisten sind mir sehr sympathisch und auch ihre Begleiter, oder eher Reds Begleiter, allem voran die taffe Nessel und der treue Filler, sind nicht bloß reine Anhängsel, sondern besitzen eine eigene Persönlichkeit.

Mit dem Kennenlernen von Hope und Red, zwischen denen sich, zumindest von Reds Seite aus, auch tiefere Gefühle als reine Kameradschaft entwickeln, ohne jemals kitschig zu werden, wandelt sich die Handlung von einer reinen Abenteuergeschichte zu einer Mixtur aus Action- und Gangstergeschichte. Die Fantasy spielt dabei zunächst sogar eine eher untergeordnete Rolle, was mich überhaupt nicht gestört hat. Der Aufbau des Buchs ist sehr stimmig, nicht zu langatmig, nicht zu knapp. Die Sprache, besonders auch die Umgangssprache in der Kehre, kommt glaubwürdig rüber und hat mich auch mit ihren vielen, durchaus kreativen Schimpfwörtern nicht abgeschreckt.

Habe ich zu Anfang vor allem weitergelesen, weil ich wissen wollte, welches Abenteuer Hope und Red als nächstes bestehen, oder auch welche Dummheit sie als nächstes begehen, so wird die Geschichte nach ihrem Kennenlernen erst so richtig spannend. Ein Ereignis jagt das nächste, ohne großartige Verschnaufpausen, aber auch ohne zu hektisch zu wirken. Das Erzähltempo passt einfach, mehr kann ich dazu nicht sagen.

Wenn ich etwas bemängeln müsste, dann wäre das vielleicht die Figur Brigga Lin. Mit ihr bin ich nicht so recht warm geworden und obwohl sie doch gegen Ende des Buchs ziemlich wichtig wird, so ist mir ihr Auftauchen ein bisschen wie das des Gottes aus der Maschine vorgekommen. Vielleicht liegt das aber auch nur daran, dass die Vergangenheit von Brigga Lin nicht so detailliert erzählt wird wie die von Hope und Red. Das Buch, das so schon 592 Seiten hat, wäre sonst vermutlich noch einmal so dick geworden. Aber mal ehrlich: Diesen negativen Punkt musste ich mir schon ziemlich aus der Nase ziehen.

Alles in allem finde ich Empire of Storms – Pakt der Diebe richtig gut. Eine packende Story mit liebenswerten Charakteren, mehr braucht es doch eigentlich nicht.

Und was die Beschreibung des Buchs nicht direkt verrät, das Vorhandensein eines Untertitels aber vielleicht vermuten lässt: Pakt der Diebe ist der Auftakt einer Serie. Spätestens mit dem wirklich fiesen Cliffhanger, mit dem dieser erste Band endet, wird das aber klar. Der nächste Band (Schatten des Todes) erscheint im Oktober dieses Jahres, so lange muss ich mich also noch mit dem Weiterlesen gedulden. Und ich würde wirklich am liebsten jetzt gleich wissen wollen, wie es mit Hope und Red und dem Rest ihrer Rasselbande weitergeht. Vor allem nach diesem Ende!

Empire of Storms - Pakt der Diebe von Jon Skovron
Empire of Storms – Pakt der Diebe von Jon Skovron

Was haltet ihr von diesem Buch? Kennt ihr es, oder hat der Beitrag euer Interesse geweckt? Für alle, die sich nicht sicher sind, gibt es eine Leseprobe. Bis Oktober ist es wirklich noch eine lange Zeit … So lange werdet ihr zumindest aller Voraussicht nach nicht auf den nächsten Beitrag hier warten müssen 😉

Viele Grüße

Michaela

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9 Gedanken zu “Buchvorstellung: Empire of Storms – Pakt der Diebe

  1. Bisher hatte ich noch nicht von dem Buch gehört, aber was Neuerscheinungen angeht bin ich auch schon lange nicht mehr auf dem Laufenden. Cover spricht mich eher so mittelmäßig an, aber deine Rezi klingt ja eigentlich ganz gut. Ich wünschte ich hätte Zeit mal wieder solchen Neuerscheinungen nachzugehen, aber mein SUB jammert sonst 😀
    Lg Moana

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  2. Heyne macht zwar in der Hauptsache Taschenbücher, aber ich hab schon zweimal dort veröffentlicht und gutes Geld erhalten. Seriöser Verlag, ganz anders als die Zuschussverlage, die einem nur das Konto plündern wollen und meistens die versprochene und bezahlte Auflage gar nicht wirklich gedruckt haben. Meinen richtigen Namen kennt im Internet keiner und das ist auch gut so, denn ich trenne zwischen Realität und virtueller Realität. Hier in der Anonymität kann ich mal schreiben, ohne dass Slips fliegen und Mädchen in Ohnmacht fallen 😉

    Hey, das war nur ein Scherz 🙂

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    1. Hui, jetzt stellt sich tatsächlich die Frage, welche zwei Veröffentlichungen das wohl sind? 😉 Vielleicht bin ich deswegen ja schon mal in Ohnmacht gefallen? 😀 Aber ich find’s gut, wenn du deine Identitäten strikt trennen kannst. Gelingt mir zumindest nicht^^

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  3. Ansich klingt das nach was, was ich gerne lesen würde. Bis auf das mit dem Cliffhänger. Es versaut mir wirklich das ganze Buch, wenn es dann abrubt aufhört, damit man dann auch ja den nächste Band holt. Eine Reihe zu schreiben ist schön und gut, aber es wäre so schön, wenn man dann dennoch ein anständig abgeschlossenes Buch hat. (Und ja, ich werde es wohl trotzdem holen. ^^“ )

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  4. Tja. Die guten alten Cliffhanger.
    Ich war nie wirklich gesegnet in puncto Materie. Und schon als ich noch arbeitsfähig war, hatte ich meist keine sonderlich gut bezahlten Jobs…….wie das im Sozialwesen eben so ist. Ein Buch zu kaufen war also purer Luxus, selbst wenn es ein Taschenbuch war. Was mich alte Leseratte natürlich dennoch nicht davon abhielt mir welche anzuschaffen. Die übelst empfundenen Cliffhanger meines gesamten Lebens hatte ich als Diana Gabaldon mit ihrer Geschichte um Claire Randall (die ja inzwischen als Outlander Saga verfilmt wurde, und das zugegeben gar nicht schlecht wenn man bedenkt wie dick ein jeder Roman der Reihe ist), Furore machte.
    OMG, was habe ich gelitten sobald ich die fünfhundert bis sechhundert Seiten bewältigt hatte! (Was bei mir in der Regel nur wenige Tage brauchte!). Ich fieberte dann wochenlang der Erscheinung des nächsten Bandes entgegen und hätte nach dem letzten Satz oft das Buch vor lauter Frust einfach gern gegen eine Glasvitrine geschmettert. Das ich es nicht tat war lediglich dem Umstand geschuldet, dass ich nie eine Glasvitrine besessen habe 🙂

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      1. Stimmt. Die Gipsmuttergottes meiner Frau Mutter und der Waschtisch-Spiegel auf dem sie stand, hatten da weniger Glück. Aber das ist ne andere Geschichte, damals war ich zu klein um lesen zu können und somit ist der Cliffhanger entschuldigt …

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