Mit Beyond Evil habe ich einen wirklich vielversprechenden ersten Band einer neuen Serie entdeckt. Vom Verlag KAZÉ als Horrormanga deklariert, würde ich ihn zwar eher unter Thriller und Mystery einsortieren, aber das hat nichts mit dem Manga an sich zu tun. In Beyond Evil geht es vornehmlich um den 17-jährigen Gota Terajima, der in zwielichtige Geschäfte mit der Lebenszeit von Menschen mehr oder minder (un-)freiwillig hineingezogen wird. Die Geschichte des Manga ist von Miura, die Zeichnungen von Ogino.

Kapitel 1 des Manga beginnt mit einem Pokerspiel zwischen einem aalglatten Herrn im schwarzen Anzug und einem offenbar in Schwierigkeiten steckenden, weiteren Spieler, der die Partie gegen den Mann im Anzug verliert. Sein Schicksal bleibt zunächst unbekannt. Außerdem lernen wir Gota Terajima kennen, der eine Gruppe Jugendlicher zur Rede stellt, als diese im Zug Zigaretten rauchen. Da die Jugendlichen offenbar nicht auf Worte reagieren, verprügelt Gota sie an der nächsten Haltestelle kurzerhand. Anschließend meldet sich ein unbekannter Anrufer auf seinem Mobiltelefon. Dieses Gespräch und ein vorüberfliegendes Flugzeug verhindern jedoch, dass Gota den Angriff des Anführers der gerade eben verprügelten Gruppe mitbekommt. Wie durch ein Wunder entkommt er der Wucht der Eisenstange, mit der der Angreifer auf ihn losgeht und macht sich daraufhin weiter auf den Weg in die Schule. Auch dort ist Gota für seine Unerbittlichkeit bekannt. Er hilft einem bedrängten Mitschüler aus der Patsche und erfährt dann nach einigem Hin und Her, dass der Mitschüler seine Lebenszeit bei einem zwielichtigen Kredithai gegen eine große Summe Geld in Pfand gegeben hat. Seinem starken Sinn für Gerechtigkeit folgend will Gota seinem Mitschüler helfen und stellt sich dem Kredithai, der niemand anderes als der Pokerspieler im schwarzen Anzug ist.

Beyond Evil
Beyond Evil

Dieser Einstieg in den Manga ist schon mal recht turbulent. Die Spannung, die dabei aufgebaut wird, zwingt einen regelrecht dazu, gleich weiterzulesen. In Kapitel 2 lässt Gota sich auf ein Pokerspiel mit dem Kredithai ein, unterschreibt sogar einen Vertrag, der nichts anderes als sein eigenes Leben und das seines Mitschülers als Belohnung bestimmt. War das erste Kapitel schon ereignisreich, so bekommen wir im zweiten Kapitel gleich mal eine Schippe oben drauf gelegt. Das Pokerspiel erinnert mich dabei ein wenig an die intellektuellen Duelle aus Deathnote (Light Yagami lässt grüßen), wenn wir abwechselnd die Überlegungen der beiden Spieler erfahren. Außerdem kommt jetzt auch ohne Zweifel das übernatürliche Element zur Handlung hinzu. Kapitel 3 hält dann bereits die erste Überraschung und einen deutlichen Aha-Effekt bereit. Kapitel 4 schließt den ersten Teil, quasi die Einleitung zur Geschichte, mit einer erneuten unerwarteten Wendung ab: Gota ist nun der Gehilfe eines Mannes, der mit der Lebenszeit von Menschen Handel treibt und gemeinhin als Todesgott bezeichnet wird.

Es folgen die Kapitel 5-10, in denen es für Gota munter weitergeht. Er erfährt dabei, dass der Handel mit Lebenszeit nur möglich ist, wenn es genügend Käufer und Verkäufer gibt. Dabei geht es, mit Ausnahme derjenigen, die sowieso Selbstmord in Erwägung ziehen, so gut wie immer ums Geld. Sind es nun Arbeitslose, die sich mit Lebenszeit Geld erkaufen, um ihren Lebensstandard zu halten, oder ehemalige Politiker, die das Leben nicht loslassen wollen und Geld für weitere zehn Jahre bezahlen.

Beyond Evil
Beyond Evil

Gota ist bei alledem nicht zufällig von seinem Mentor ausgewählt worden. Sein Sinn für Gerechtigkeit, aber auch seine Kaltblütigkeit und Brutalität sind offenbar wichtige Eigenschaften für den Job als Todesgott bzw. Todesgottgehilfe, bei dem es nur eine Regel gibt: Halte dich an den Vertrag! Ein Verstoß gegen diese Regel wird konsequent geahndet. Was ich von Gota halten soll, darüber bin ich mir aber noch nicht ganz im Klaren. Einerseits ist er schon irgendwie cool, intelligent und ein bisschen draufgängerisch, andererseits ist er wahnsinnig berechnend (eben ein bisschen wie Light aus Deathnote). Das größte Problem, warum ich nicht so ganz an ihn rankomme, ist das, dass wir als Leser sehr wenig über seine Beweggründe erfahren. Ich finde Gota nach dem ersten Band nicht unsympathisch, aber eben auch nicht richtig sympathisch. Sein Mentor ist natürlich sehr geheimnisvoll, dem äußeren Anschein nach ein Mensch, aber ohne Zweifel übernatürlicher Natur. Er ist in der Branche ziemlich bekannt, was ihn auch zur Zielscheibe von Neidern macht. Unverwundbar scheinen Todesgötter also nicht zu sein. Band 1 endet mit einem Cliffhanger, der eine Schwachstelle des stets unerschütterlich auftretenden Mentors andeutet. Ich bin richtig gespannt, wie das noch weitergeht!

Die Zeichnungen des Manga passen zur Geschichte. Sie sind nicht zu fein, was gerade bei den blutigen Szenen auch nicht angebracht wäre. Die Proportionen der Charaktere stimmen und überhaupt sind die Charaktere sehr gut unterscheidbar gezeichnet. Highlight ist natürlich das Cover. Die Colorierung gefällt mir wahnsinnig gut.

Insgesamt sollen es vier Bände für Beyond Evil werden. Nachdem Band 1 im April 2017 erschienen ist, folgt der zweite Band im Mai und Band 3 ist für Juni angekündigt. Der Abschluss findet dann voraussichtlich im September statt. Bis dahin muss ich mich also noch für das Finale gedulden.

Falls ihr mit Mystery-Thrillern mit überraschender Story etwas anfangen könnt und euch eine Mischung aus „Deathnote“ und „Im Auftrag des Teufels“ interessant erscheint, dann kann ich euch den ersten Band von Beyond Evil guten Gewissens empfehlen. Ich wollte in diese Reihe ja auf jeden Fall reinlesen, hätte aber nicht unbedingt erwartet, dass sie mich so überzeugen würde. Also dann, haut rein!

Mir bleibt noch, KAZÉ Deutschland und AV Visionen für das Rezensionsexemplar zu danken und euch allen liebe Grüße auszurichten!

Bis demnächst

Michaela

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Ein Gedanke zu “Buchvorstellung: Beyond Evil Band 1

  1. Ich fand die Review etwas durchwachsen: Der Anfang ist mir etwas zu stark detailiert, und mir fehlen so 1-2 Bilder für den Eindruck zum Manga, aber ansonsten fand ich die persönliche Meinung gut ausfomuliert. Was mich stört ist das Beyond Evil scheinbar Fantasy-Maystrs Thriller ist, aber dann plump als „Horror“ deklariert wird, Horrormanga sind für mich prinzipiiel etwas anderes, es gibt schon IMMENS wenig Horroranime in Deutschland (FSK18 verkauft sich hier halt nicht) doch bei Horrormanga sollte man nicht versuchen „Death Note“-Artige Werke so zu verkaufen. Nett das du die Preisangabe mit einem Foto gemacht hast, auch nicht schlecht ^^

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