Nocturnal Bloodlust gehören eindeutig zu den heftigeren Vertretern der japanischen Rock-/Metalszene. Unter den Musikrichtungen, die sie vereinen, werden unter anderem (Melodic) Metalcore, (Symphonic) Deathcore und Electronicore aufgeführt. Die Band ist seit 2009 aktiv und hat in relativ kurzer Zeit einen hohen Bekanntheitsgrad erlangt. Im vergangenen Jahr waren sie zum ersten Mal in Europa auf Tour unterwegs.

Die Band besteht aus den Mitgliedern Hiro (Gesang), Daichi (Gitarre), Cazqui (Gitarre), Masa (Bass) und Natsu (Schlagzeug). Für die elektronischen Liedteile zeichnen vor allem Daichi und Cazqui verantwortlich.

Nocturnal Bloodlust - The Omnigod
NOCTURNAL BLOODLUST – THE OMNIGOD

Die meisten Titel von Nocturnal Bloodlust sind eher kraftvolle, aggressive Stücke. Allerdings ist die Band durchaus auch in der Lage, ansprechende und gefühlvolle Balladen zu spielen. Dies lässt sie auf jeden Fall nicht eintönig werden. Und auch auf dem Album The Omnigod wird einiges an Abwechslung geboten, selbst was die wuchtigen Tracks betrifft. Dazu tragen zum einen die Instrumentalisten bei, die ihr Handwerk perfekt verstehen, zum anderen auch Hiro am Gesang. Seine Screams und Growls finde ich beeindruckend und auch seine klare Gesangsstimme ist gut anzuhören.

Eigentlich eignet sich als Hörprobe von The Omnigod fast jedes Lied. Ich werde jetzt diejenigen Songs, die mich von Beginn an am meisten überzeugt haben kurz vorstellen bzw. meine Eindrücke schildern. Zuvor noch ein paar Eckdaten bezüglich des Albums: Es ist gegen Ende des Jahres 2014 als zweites Fulltime-Album in drei Versionen erschienen, der regulären Edition, der limitierten Edition und der „Extreme Edition“. Die letztgenannte ist die umfangreichste und die, die in meinem CD-Regal steht 😉 Sie umfasst die 13 Stücke der regulären Edition, dazu fünf Instrumentallieder und enthält eine DVD mit sechs Musikvideos. Das Ganze ist in einer schicken Digibox verpackt samt fettem Booklet.

Die CD beginnt mit dem kurzen, Unheil verkündenden Instrumentalintro Gottmord, das auf die nächste knappe Stunde Spielzeit perfekt einstimmt. Bei diesem Stück auf jeden Fall die Bassboxen aufdrehen! In Punch me if you can wird dann auch gleich in die Saiten gehauen, was das Material hergibt – hart und aggressiv. Song Nummer drei, DESPERATE, ist ebenso hart und aggressiv, allerdings kommt in diesem Stück auch das Gefühl nicht zu kurz: Eine titelgebende Verzweiflung schwingt ebenso mit wie eine bedrohliche Komponente, die gerade in den Strophen präsent ist. Die in den Zwischenteilen angedeutete Erlösung wird vom Refrain jedes Mal sofort zunichte gemacht.

T.Y.R.A.N.T beginnt orientalisch angehaucht mit dominantem Bass und wechselt noch kurz zu einem Nu Metal-Sprechgesangspart, bevor es im gewohnt aggressiven Stil mit einigen Nu Metal-Elementen, die sich zwischendrin an die Oberfläche drängen, weitergeht. Zur Hälfte des Stückes gibt’s ein kurzes Basssolo, gefolgt von einem genialen Gitarrensolo. Der Refrain besitzt eine eingängige Melodie und lädt wie der ruhige Zwischenteil wenigstens kurzzeitig zum Verschnaufen ein.

Das folgende Lied, DEAD END, ist geprägt von einem schweren Rhythmus und vielen Growls und Screams. Klaren Gesang sucht man vergebens. Das Ende des Stücks überrascht mit einem von Gitarrenseite wiederum orientalisch angehauchten Schlussspurt. Das Instrumentalstück [my:Se]raphy schlägt zum ersten Mal beim Durchhören des Albums sanftere Töne an. Es ist mehr oder weniger ein Solo für E-Gitarre und bereitet auf das nächste Lied vor, das nach diesem ruhigen Teil umso brachialer daherkommt: GENESIS. Laut und hart und dabei gleichzeitig doch auch melodisch. Hiros Gesangspart ist einfach der Hammer, allein schon der Schrei zu Beginn, doch auch die Gitarren (vor allem Cazqui an der siebensaitigen Gitarre) stehen dem in Nichts nach. Tönen die Strophen und sämtliche Zwischenparts von dem heraufziehenden Unheil, so bietet der Refrain ein wenig Abwechslung. Das Ich des Liedes schwankt zwischen Resignation und der Bitte, es im Chaos nicht allein zu lassen.

Der nächste Titel trägt den Namen Resurrection und könnte sich insofern direkt auf das Vorgängerlied beziehen. Resurrection hat mich auf dem Album am meisten überrascht. Im Gegensatz zu Desperate oder Genesis war es keine Single-Veröffentlichung, ich habe es also auf dem Album zum ersten Mal gehört. Es beginnt leise mit Klavier und Regengeräuschen, ein Sprecher kommt dazu, etwas Streichorchester und ich glaube, auch eine Klarinette 🙂 Der Refrain ist an sich wenig eingängig, was aber nicht stört, da er vor allem eins macht: reinhauen. Überhaupt ist das Lied eher unkonventionell aufgebaut. Ein kurzer Ausflug in die Welt des Sprechgesangs mündet in ein abschließendes Gitarrensolo.

Das Ende von Resurrection kommt mehr oder weniger abrupt und der nächste Track beginnt: Libra -another scene-. Dies ist eine Balladenversion des Songs Libra, der zuvor bereits in seiner ursprünglichen Form als Single veröffentlicht wurde, gänzlich ohne E-Gitarren. I-V-III ist der Name des nächsten Liedes, wobei ich nicht weiß, wie er ausgesprochen werden soll. Fürs Hören ist das aber auch egal. I-V-III ist deutlich fröhlicher als der Großteil des Albums und bietet sogar einen wiederkehrenden Part, den man gut mitgrölen kann. Der Song besteht aus recht unterschiedlichen Teilen, wirkt aber trotzdem nicht wie beliebig zusammengewürfelt. Das Album geht weiter mit The Beautiful Craze -OMNI Mix-, wiederum einem Remake eines zuvor bereits in anderer Form veröffentlichten Liedes (Beautiful Craze). Die OMNI-Mix-Version wirkt etwas ausgereifter als die ursprüngliche, der Unterschied ist aber nicht gewaltig. Der klare Gesang im Refrain lässt den Song nicht zu aggressiv werden. Highlight ist das Bass- und Gitarrensolo nach etwa der Hälfte der Spielzeit. Strike in fact war zuvor bereits als Single veröffentlicht worden. Es ist Mainstream-tauglicher als der Großteil der anderen Songs. Es tauchen hier wieder ein paar Nu Metal-/Hip-Hop-Elemente auf, der Refrain ist eingängig. Linaria schließt dann das Album in der Standardversion ab. Die Ballade beginnt mit sanften Klaviertönen und entwickelt sich zu einer gefühlvollen Melodie, die zum Träumen einlädt und trotzdem gut ins Bild der Band passt, ohne aufgesetzt zu wirken.

Das war’s mit THE OMNIGOD. Vielleicht noch eine kurze Anmerkung, die mir gerade einfällt. Hiros Englisch bzw. seine Aussprache ist erstaunlich gut, kein Vergleich zum „Engrish“ einiger anderer (japanischer) Sänger 😉

LG Michaela

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13 Gedanken zu “Alles oder nichts – „THE OMNIGOD“ von NOCTURNAL BLOODLUST

  1. Super! Genial! Genau mein Ding! Ich mag death metal, ich mag gotic metal, ich mag symphonic metal, ich mag metalcore, ich mag Dani Filth. Death Metal klingt manchmal eintönig, aber hier sind die Songs spannend, weil alle Richtungen manchmal in einem Lied vereint sind. Das ist der pure Wahnsinn.

    Auch wenn die Band runterschraubt und melodisch wird, sorgen die Musiker für Spannung. Super Gitarren, super Schlagzeug und eine enorm einladende Stimme, die alles bringt, was je gebracht wurde. Hervorragend. Ich bin begeistert.

    Natürlich mag ich mehr die Death Metal-Anklänge, die Richtung, die sich an Horror-Filmen orientiert und so spannende Musik liefert und natürlich auch ein wenig Blut in den Videos, worauf ich eigentlich verzichten könnte, weil es mir nur um die Musik geht. Aber hier ist Abwechslung und Spannung immer angesagt und auch das Herz, die Seele wird berührt. Eine ganz tolle Band, die mich für sich einnimmt.

    Must-have. Habenwollen. Wo kann ich die CD kaufen? Wenn sie bei Amazon zu bestellen ist, vergeb ich als Rezensent gleich 5 Punkte und ein dickes Plus.

    Ich danke dir. Du hast alles gegeben und alles gewonnen :*

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    1. Herzlich gern! Das klingt ja beinahe nach einer Offenbarung ^_^
      Die Musik haut schon rein, gell?
      Was das Kaufen angeht, beziehe ich das meiste Zeug über einen schnuckeligen, kleinen Laden, der japanische Musik importiert und deutschlandweit versendet: me-shop.net
      Ein weiterer Händler in Deutschland wäre neotokyo.de. Eine internationale Anlaufstelle, die sonst meist genannt wird, ist cdjapan.co.jp, allerdings kommen hier bei Bestellungen natürlich evtl. noch Zollgebühren usw. hinzu. Über Amazon gibt’s auch ein paar Sachen (meist über Drittanbieter) zu bestellen, aber auch wieder mit Zoll, der obendrauf kommt.
      Was es an digitaler Musik wo zu kaufen gibt, da kann ich dir leider nicht weiterhelfen.
      Liebe Grüße an dich!

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      1. „Gell“? Gell du hast mich gelle gern, gelle ich dich ach .. Deine Sprache verrät, dass du aus dem Raum Frankfurt kommen musst. Du wirst doch nocht am Ende noch an meiner alten Uni in Bockenheim studieren 🙂

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      2. Frankfurt? Beinahe^^
        Ne, im Ernst, bin nicht aus Frankfurt, nicht mal aus Hessen – auch wenn’s da sehr schön ist, vor allem im Odenwald/Bergstraße 🙂
        Momentan wohne ich ein wenig den Main aufwärts, komme ursprünglich aber weit aus dem Süden. Und mit dem Studieren bin ich (leider?/zum Glück?) seit einiger Zeit fertig. Bockenheim musste ich erst mal googeln – du meinst den Frankfurter Stadtteil? LG

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  2. PS: Der Gitarrist verfügt sogar über das Finger-Tapping, das Eddie van Halen seinerzeit erfunden hatte. Wenn er es benutzte, stellte er sich meistens mit dem Rücken zum Publikum, auf dass es nicht abgekupfert werde, aber später hat er es dann doch zur Schau gestellt. Du siehst also, dass ich mich mit Gitarre beschäftige, weil sie mein Lieblingsinstrument ist und ich nah dran bin mir selbst ne Fender zu kaufen mit Marshall-Verstärker. Ich liebe Gitarre und höre auch die alten Sachen, angefangen von Jimi Hendrix, die mein Vater noch auf Platte hat. Ich bin sozusagen als Kind mit dieser Musik großgeworden. Hab mir jetzt selbst nen Plattenspieler gekauft, weil Vinyl doch besser klingt, wärmer und tiefer und räumlicher.

    Aber die Gitarre der Gruppe NOCTURAL bLOODLUST hat mich sehr begeistert, weil hier die alte Technik der Riffs neben Neuem gleichberechtigt steht. Das ist für mich, wie wenn der Himmel sich öffnet ❤

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    1. Oh hey, kannst du Gitarre spielen? Ich hab ne Zeit lang gelernt, erst Akustik, dann E-Gitarre. Hab sogar für kurze Zeit in ner Band gespielt – für den großen Durchbruch hat’s allerdings nicht gereicht 😉
      Seit dem Studium allerdings steht die Gitarre meist nur rum :/ Deswegen: Kauf dir ne Gitarre und wir machen ne Band auf! 😀

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  3. Ich hab mir ein paar Griffe zeigen lassen. Dann hab ich mir ein Lernheft geholt und geübt. Aber immer, wenn ich mitten im Üben war, hat ein Kumpel geklingelt und mich unterbrochen. So gings irgendwann nicht weiter .. Aber mein Bruder hat ne Fender und der kommt gut zurecht damit. Bei Joe Satriani oder Steve Vai steht er immer in der ersten Reihe und schaut den Helden auf die Finger .. ^^

    Es gibt auch Internetkurse ..

    Ich steh normal täglich um halb Drei auf und bin auch heute automatisch um die Zeit wach geworden, obwohl ich sonntags ausschlafen kann. Aber ich leg mich gleich nochmal hin.

    Auch dir liebe Grüße

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  4. Wusst ich genau, wie der Gesang anfängt nach den ersten Tönen 🙂

    jenseits von Japan heißen so Gruppen: „Grand morbid Funeral“ oder „Dark Tanquillity“ oder „Death“ oder – Achtung neu und saugut „Heaven Shall Burn“ und agieren unter der Rubrik: Death Metal. Und das meine Liebe ist genau mein Ding. Danke! Ich will ein Kind von dir. Ist das möglich? Am besten gleich jetzt. Scheiße ich muss zur Arbeit mit dem Restalkohl von zehn Piraten .. I love you :*

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    1. XD Da spricht wohl der Restalkohol aus dir?
      Dann sind Nocturnal Bloodlust also Death Metal? Wieder was gelernt. Ich hab ja nicht wirklich Ahnung von den Feinheiten, die die verschiedenen Richtungen unterscheiden. Öfter wird ja auch mal was durcheinander gehauen und entweder gefällt’s mir dann, oder eben nicht^^ Aber so als grobe Orientierung ist die Nennung eines Genres ganz hilfreich.
      Die Bands werde ich mir mal anhören 🙂
      Allerliebste Grüße an dich :*

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  5. Sorry, Restalkohol und etwas schwarzer Humor 😉 Aber ich mag dich gerne 🙂

    Bei jüngeren Gruppen ist das nicht mehr so eindeutig festzulegen. Sie mischen alle Stile zusammen: Hardcore, Metalcore, Electronicore und eben Deathcore. Deathcore erkennt man an dem tiefen Röhren. Da fängts meist harmlos an mit einer Melodie und dann röhrt einer los wie ein Elch: ahhhhhhhhhhhhh. Aber richtig mit tief verstellter Stimme. Und die Themen behandeln viel aus Horrorfilmen. Death Metal ist sehr gewöhnungsbedürftig. Amon Amarth machen dazu richtig blutige Videos. Paradise Lost haben auch mit Death Metal angefangen und dann daraus den Gothic Metal entwickelt, ihre Erfindung. Muss man eigentlich gar nicht alles wissen: Hören ist die Devise. Ich rede auch nicht über Bier und Wein: Ich genieße.

    Liebste Grüße, PP 🙂

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    1. Ah, einer der sich auskennt^^ Könnte glatt mal zum Nachhilfeunterricht bei dir vorbei schauen.
      Muss ganz ehrlich sagen, dass ich auf die Texte meist gar nicht so achte. Entweder ich versteh sie nur mit stundenlangem Nachschlagen, wenn’s Japanisch ist, und geröhrte Sachen verstehe ich auf Englisch nur durchs Hören auch nicht 😉 Da würde ich aber auch schon auf Deutsch Probleme haben 🙂

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