Hallo liebe Leser,

das Album, das ich euch in diesem Beitrag vorstelle, hat insofern eine große Bedeutung für mich, als dass es meine erste CD einer japanischen Band war. Damit hat quasi alles angefangen. 😀

Wie im Titel ersichtlich, handelt es sich hierbei um Withering do death. von Dir en grey. Zu Dir en grey möchte ich gar nicht so viel sagen, denn wenn man überhaupt eine japanische Band kennt, dann ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass es Dir en grey ist. Es gibt sogar in der deutschsprachigen Wikipedia einen Eintrag über die Gruppe (hier zu finden).

Die Band gibt es seit 1997 und sie spielt immer noch in unveränderter Besetzung, was für die japanische Musikszene eher ungewöhnlich ist. Im Jahr 2005 hatten Dir en grey ihren ersten Auftritt in Deutschland, wobei sie unter anderem auch bei Rock am Ring und Rock im Park auftraten. Auch die Jahre darauf waren sie öfter mal in Europa unterwegs. Ebenfalls 2005 erschien das Album Withering to death. als fünftes Studioalbum von Dir en grey und als erstes Album der Band, das in separaten Versionen auch in Europa und Nordamerika erhältlich war. Witzigerweise kletterte das Album in Finnland sogar auf Platz 31 der dortigen Charts.

Dir en greys Musik pendelt irgendwo zwischen Rock, Metal (in diversen Varianten wie beispielsweise Death, Progressive und Alternative) und Industrial, was auf Withering to death. gut zu hören ist. Allgemein sind die Lieder der Band ziemlich düster, was vor allem auch die Texte betrifft. Der EU-Pressung von Withering to death. liegt übrigens ein separates Booklet mit Übersetzungen auf Englisch und Deutsch bei.

Der erste Track, Merciless Cult, ist damit mein erstes J-Rock-Lied und darf allein schon deswegen in diesem Beitrag nicht fehlen. Aber nicht nur deswegen. In Merciless Cult fallen die Dir en grey-typischen Schwankungen zwischen aggressiven Passagen und melodischen Zwischenteilen besonders auf, die das unheilvolle Lied spannend anzuhören machen. Gleichzeitig bekommt man einen guten ersten Eindruck von Sänger Kyos stimmlicher Vielfalt. Kyo kann schreien, growlen, singen und darüber hinaus noch weitere Geräusche erzeugen. Auch wenn ich der Meinung bin, dass er nicht die schönste Gesangsstimme hat, vor allem, was den cleanen Gesang angeht. Aber immerhin hat die Stimme Wiedererkennungswert.

Merciless Cult geht direkt in den zweiten Track mit dem kurzen Namen C über, der einen weniger bedrohlichen Eindruck als Lied Nummer eins macht. C ist eher ein Rocksong, der vor allem mit seinem treibenden Rhythmus und dem beinahe gutgelaunten Refrain auffällt.

Zu Track Nummer 3, [saku], zu deutsch „Neumond“, ist auf der EU-Pressung von Withering to death. ein Musikvideo enthalten, allerdings in der zensierten Fassung. ist ein vor allem in den Strophen aggressiver, brachialer Song, der im Refrain deutlich melodiöser und damit einhergehend auch verzweifelt-leidvoll-klagend wird. Kein Wunder, geht es in dem Lied wohl um die Hilflosigkeit von Kindern/Jugendlichen in der (japanischen) Gesellschaft, die sich in Selbstzerstörung oder gar der Zerstörung Anderer Ausdruck verschaffen kann.

Für alle ab 18, die sich das unzensierte Video zu  antun möchten:

Anmerkung: Dir en grey sind bekannt dafür, öfter mal expliziter zu werden, sowohl in ihren Texten als auch in manchen ihrer Musikvideos. Verstörender als das Video zu 朔 finde ich allerdings beispielsweise die PVs zu Obscure oder Agitated Screams of Maggots. Ich hab mir lange überlegt, die Titel zu verlinken, mich dann aber dagegen entschieden. Wer neugierig ist, findet die entsprechenden Videos auf Youtube.

dead tree ist wieder ein überaus ambivalentes Lied. Es beginnt ruhig, mit leisen Gitarrentönen und ebenso sanftem, beinahe dahingehauchtem Gesang. Kurz vorm Refrain baut sich dann allerdings eine Art Bedrohung in akustischer Form von Schreien und Heulen auf, die sich im Refrain in melancholischem (Falsett-)Gesang auflöst. Bewegend!

THE FINAL könnte man im Vergleich zu vielen anderen Liedern von Dir en grey zumindest musikalisch beinahe als harmlos bezeichnen. Es ist ein zunächst sanftes Rocklied, das im Refrain in eine schöne Melodie mit Ohrwurmpotential mündet. Charakteristisch finde ich die Akustikgitarre, die an mehreren Stellen gut herauszuhören ist und den ruhigeren Charakter des Liedes unterstreicht. Aber von der Musik sollte man sich nicht täuschen lassen. Ein näherer Blick auf den Text lässt das Thema Selbstmord relativ deutlich hervortreten.

Diese fünf Lieder und noch neun weitere findet ihr auf Withering to death. von Dir en grey. Zu meiner Schande muss ich gestehen, dass ich keinen Überblick über die jüngsten Veröffentlichungen von Dir en grey habe. Das werde ich aber bestimmt noch nachholen, da die Band sich in ihrer bereits jetzt schon relativ langen Lebensdauer immer weiter entwickelt und immer wieder neu erfunden hat.

So, und jetzt bin ich gespannt, was ihr zu diesem Album sagt. Kennt ihr es vielleicht sogar schon?

Viele Grüße

Michaela

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16 Gedanken zu “Wie alles begonnen hat und wo es enden kann – „Withering to death.“ von Dir en grey

  1. Papa roach gibt es seit 1993 und irgendwie musste ich an diese Gruppe denken, als ich Merciless Cult hörte. Weiß auch nicht warum. Da reicht manchmal eine Tonsequenz. Aber trotzdem bemerkenswert, wie sich die Gruppe ins Zeug legt und das ist mehr als die späteren amerikanischen Hardcore-Bands später bringen. Ich bin ja der absolute Fan von Ronnie Radke, auch wenn der immer mehr im Mainstream-Sumpf versinkt, genauso wie Pappa Roach. Und ich bin aber auch Fan von Paradise Lost, die Death Gothic erfanden, aber nicht weiterentwickelten, sondern mit jeder CD was Neues ausprobierten.

    Jedenfalls zieh ich mir noch die restlichen Videos heute rein von Dir En Grey. Immerhin bin ich angefixt. Ich danke dir. Du erweiterst meinen musikalischen Horizont und ich bin für alles offen.

    Schönen Tag noch dir 🙂

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    1. Sehr gerne! Dir ebenfalls einen schönen Tag 🙂
      Ich werde mal in die Bands reinhören, die du genannt hast. Papa Roach und Paradise Lost sagen mir vom Namen zwar was, aber musikalisch einordnen kann ich sie gerade nicht. Ronnie Radke war mir bislang komplett unbekannt. Was die „westliche“ Musikszene angeht, bin ich eben relativ bescheiden informiert^^ Irgendwelche Tipps von deiner Seite, welche Songs ich mir als erstes anspielen lassen sollte?
      Liebe Grüßle!

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  2. Diese Gruppen aus Japan machen halt alles nach, was aus Europa kommt, aber sie haben nicht den Hintergrund aus dem die Musik wirklich kommt. Edgar Allen Poe war der Begründer und Black Sabbath mit Ozzy haben seine Geschichten in Musik umgesetzt. Black Sabbath war die erste Gruppe, auf die sich heute alles bezieht. Die Japaner sind nur Epigonen, alles Scheiße, was die bringen. LG PP

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    1. Das würde ich jetzt wahrscheinlich nur bedingt unterschreiben, schließlich gibt’s hierzulande auch mehr als genug Nachahmer 😉
      Ich seh schon, ich muss mal eine CD raussuchen, die keinen Vergleich mit westlichen Konkurrenten zulässt … LG

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      1. Ja, Deutschland ist das typische Epigonen-Land. Jeder Hype wird aus Amerika oder England wird nachgeäfft. Das beginnt schon bei den Klamotten und Frisuren usw. Die ganze Mode wird übernommen. Und die Japaner haben damit angefangen nachzuahmen. Alles Musikstile werden übernommen, egal ob Klassik oder Pop oder anderes. Das Schreien und Crawlen etwa. Ich würd mir mehr troditionell gewachsene Musik aus Japan wünschen. Japan negiert ja seine Kultur. Auch diese Mangas gab es zuerst in Amerika: Hier hießen sie Comics. Verzeih, wenn ich ein wenig einseitig schreibe, aber ich zeig nur die andere Seite der Medaille und lass mich gern belehren. LG PP

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  3. Dieses Album gehört auch für mich zu meinen ersten die ich von einer japanischen Band hatte. Und ich höre es auch heute noch gerne! Ich kann dir wirklich nur anraten mal in die neuen Sachen hinein zu hören. Auch ihr Style hat sich in den letzten Jahren immer wieder gewandelt, aber im moment, haben sie gerade mal wieder ein comeback mit sehr düster und vk-style. 😉

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  4. Ich bin seit über 10 Jahren Dir en Grey Fan und alles fing damals mit einem Konzert 2006 an.
    Auch noch heute höre ich die Band super gerne auch wenn nicht mehr jeden Tag.
    Das Album ist einfach ein Klassiker und The Final so wie Merciless Cult weckt noch immer viele Erinnerungen =)

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