Von Haus zu Haus gehen wir in jedem Jahr – Neujahrsblasen

Die vergangene Woche war es hier sehr ruhig – aus gutem Grund: Es war wieder so weit! Ich habe Urlaub genommen und bin in die Heimat, ins Allgäu, gedüst, um beim diesjährigen Neujahrsblasen meiner Musikkapelle, bei der ich vor ca. 20 Jahren angefangen habe, Klarinette zu lernen, mitzuspielen. Kennt ihr diesen schönen Brauch des Neujahrsblasens? Falls nicht, dann müsst ihr jetzt auf jeden Fall weiterlesen! 😉

Beim Neujahrsblasen (es gibt darüber sogar einen Eintrag in Wikipedia!) geht eine Gruppe von Musikern – bei uns sind das gut zehn Musikanten – von Haustür zu Haustür und spielt den Leuten ein kurzes Ständchen. Anschließend wird natürlich jedem ein gutes, neues Jahr gewünscht. Hat man Glück, bekommt man für den Musikverein, vor allem für die Nachwuchsarbeit bzw. für neue Noten, eine kleine Spende. Dieser Obolus und das Netzwerken (so würde man heute wohl dazu sagen; im Dialekt nennt sich das „Heugarten“ – allgäuerisch für „Schwätzchen“) sind der Hauptgrund fürs Neujahrsblasen.

Das Neujahrsblasen meiner Heimatkapelle findet immer an den zwei Tagen nach den Weihnachtsfeiertagen statt, also am 27. und am 28. Dezember. Insgesamt sechs Gruppen waren unterwegs, wobei es um 8 Uhr bzw. 9 Uhr in der Früh losging. Am ersten Tag wird in den Siedlungen gespielt. Wir befinden uns hier am Stadtrand und es gibt ein paar kleinere Dörfer, die zwar mittlerweile zur Stadt gehören, aber trotzdem noch relativ ländlich angehaucht sind. Diese Ortsteile werden „die Siedlungen“ genannt. Dort zu spielen bedeutet viele Haustüren mit relativ kurzen Laufwegen dazwischen, aber auch mit vielen Zugereisten, die den Brauch nicht kennen und die Tür vielleicht gar nicht erst aufmachen. Außerdem sind viele nicht zu Hause, wenn der 27. auf einen Wochentag fällt. Vor Sonnenuntergang fertig zu werden ist kaum möglich.

Am zweiten Tag wird im Hinterland gespielt, das heißt auf den Bauernhöfen. Hier ist fast immer jemand zu Hause. Heutzutage werden die Strecken zwischen den Höfen, die im Allgäu relativ verstreut auf den Hügeln gebaut sind, nicht mehr gelaufen, sondern meist mit dem Auto gefahren. Auf den Höfen wohnen normalerweise Alteingesessene, die die Musikanten schon erwarten. Oft kennt man sich auch persönlich, wenn man nicht sogar verwandt oder verschwägert ist. 😉

Dieses Jahr hatten wir mit dem Wetter großes Glück – es war sonnig und nicht allzu frostig -, doch auch bei Temperaturen um die Null Grad werden die Finger beim Klarinettespielen schnell kalt und Handschuhe kann ich leider keine anziehen, da ich sonst die Löcher des Instruments nicht mehr schließen kann. Dann ist ein kleiner Umtrunk, meist (aber nicht nur) in Form von Hochprozentigem, recht willkommen. Wenn wir dann auch noch in die gute Stube eingeladen werden und vielleicht sogar eine Kleinigkeit zu essen angeboten bekommen, sind die steifen Finger aber schnell vergessen. Mit Gulaschsuppe, Wienerle und Brezen kann man einen Musikanten schon ganz zufrieden machen. Vor allem am zweiten Tag gab es (wie jedes Jahr) reichlich zu essen. 😀 Bei diesen Gelegenheiten finde ich es auch immer ganz spannend, die alten (Bauern-)Häuser von innen zu sehen.

So kann das Ganze dann klingen:

In dem Video hab ich selber natürlich nicht mitgespielt, da ich mit meinem uralten Handy gefilmt habe.^^ Stimmung und Intonation sind bei winterlichen Witterungsverhältnissen meist auch eher Nebensache …

Nun ist also auch das diesjährige Neujahrsblasen zu Ende. Mal schauen, ob ich im nächsten Jahr an den beiden Tagen wieder Zeit haben werde, um mitzulaufen und mitzuspielen.

Ach ja, für alle, die kein Instrument spielen, gibts auch den Brauch des Christbaumlobens. Das ist so ähnlich, nur ohne Ständchen, aber trotzdem mit Trinken.^^

In diesem Sinne: Viele Grüße und einen guten Start ins neue Jahr euch allen!

Michaela

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12 Gedanken zu “Von Haus zu Haus gehen wir in jedem Jahr – Neujahrsblasen

  1. Ich dachte, bei solchen Aktionen wäre das Hochprozentige das Wichtigste.
    Aber eine Spende für den Verein ist ja auch nicht zu verachten. ;o)
    Und tatsächlich etwas sinnvolles.

    Dann wünsche ich mal einen guten Rutsch nach 2017. ^^

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  2. 2 Tage lang O.O Also, ich kenn da einige, die würden nach nem halben Tag nur noch kriechen können 😉
    Wo ich herkomme gibt es das nicht, dafür das Tagwachspielen am 1. Mai. Das endet auch für manche schlimm ^^
    Ich finde es schön, wenn solche Bräuche noch am Leben gehalten werden.

    Rutscht gut rüber 🙂

    Gefällt 1 Person

  3. Hallo Michaela,
    bei uns in einer Gemeinde in Niedersachsen gibt’s diese Tradition auch – allerdings am 1. Weihnachtstag und Start ist bereits morgens um 6h. Dann wird in drei Gruppen durch das Dorf gelaufen – die Besuchten haben dann meist ein warmes Getränk nach dem Wecken für die Musiker, ehe weiter zum nächsten Haus gezogen wird. Endstation ist dann ein kleines Konzert im Seniorenheim, ehe es gemeinsam zum Weihnachtsfrühstück übergeht.

    Einfach eine tolle Tradition!

    Einen guten Start ins neue Jahr für Dich!

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